FC Bayern trägt eine Teilschuld

Alexander Ludewig wehrt sich gegen den Fatalismus nach dem Halbfinalaus der Münchner

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 3 Min.

Auch am Donnerstag drang kaum etwas nach außen. Der FC Bayern verschanzte sich an der Säbener Straße, traf sich und trainierte unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Das 0:4 gegen Real Madrid ist noch immer nicht verarbeitet. Mit der bislang höchsten Heimniederlage im Europapokal waren die Münchner am Dienstagabend im Halbfinale der Champions League ausgeschieden.

Zu den ganz wenigen Personen beim FC Bayern, deren Äußerungen wirklich verraten, wie es um den Klub bestellt ist, gehört Karl-Heinz Rummenigge. Auch der Vorstandsvorsitzende verkündete am Donnerstag nichts Zukunftsweisendes, keine Konsequenzen, keine Entscheidungen. Er mahnte: »Wir dürfen jetzt nicht die Nerven verlieren.« Ergo: Dem FC Bayern geht es gar nicht gut.

Enttäuschung, Ernüchterung, Frust - all das sind normale Reaktionen, wenn man sportlich scheitert. Aber warum sollte ein Klub die Nerven verlieren, wenn er zum vierten Mal in fünf Jahren zu den vier besten in Europa gehört? Weil ihm nach dem Triumph in der Champions League eine Ära des Erfolgs versprochen wurde - und er sich nicht entschieden genug gegen die blinde Euphorie gewehrt sowie selbst etwas zu viel damit kokettiert hat.

Eine Teilschuld trägt also auch der FC Bayern. »Eine sehr gute Mannschaft« sah Ex-Präsident Uli Hoeneß in der vergangenen Saison, »eine sehr, sehr gute« in dieser Spielzeit. Jupp Heynckes ist für Rummenigge ein »hervorragender Trainer«, Pep Guardiola findet er einfach nur »genial«. Schon die Verpflichtung des begehrtesten Trainers der Welt ließ die Verantwortlichen nicht nur an, sondern durch die Decke springen. Durch die lange Zeit brillanten Darbietungen ließen sei sich zu Superlativen verleiten.

Der sich nun öffentlich verbreitende Fatalismus ist aber ebenso fehl am Platz wie die vorherige Verherrlichung. Nicht ohne Grund gelang noch keiner Mannschaft die Titelverteidigung in der Champions League. Fünf, sechs, sieben Klubs haben Jahr um Jahr das gleiche Ziel: den begehrtesten Pokal des Klubfußballs. Wird dieses Ziel verfehlt, wird investiert. Die Gier auf diesen Titel steigt mit jedem gescheiterten Anlauf. Und im Gegensatz zum verlorenen Finale dahoam 2012 fehlte zumindest den Münchner Spielern nach dem Sieg 2013 in diesem Jahr genau dieser Antrieb.

Jetzt haben sie ihn wieder. Als erster hat das Matthias Sammer entdeckt, der den vorfinalen Exodus als »Herausforderung« nimmt. Genau deshalb ist der Sportdirektor so wichtig für den FC Bayern. Noch etwas wichtiger ist Pep Guardiola. Dass ihm und seinem Ballbesitzfußball jetzt die letzte Messe gesungen wird, ist absurd. Noch vor vier Wochen wurde er dafür gefeiert. Und genauso hat er mit dem FC Barcelona Titel um Titel gewonnen. Mit dem FC Bayern ist natürlich auch kommende Saison zu rechnen - wenn er nicht die Nerven verliert.

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