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Den Müttern sei Dank

Atlético Madrid erreicht nach dem 3:1 beim FC Chelsea London erstmals seit 40 Jahren wieder das Finale der Königsklasse

  • Von Alexander Sarter, London
  • Lesedauer: 3 Min.
Atlético Madrid steht zum ersten Mal seit 40 Jahren wieder im Finale der europäischen Königsklasse. Das Endspiel gegen Real ist das erste Stadtduell im Finale eines Europacupwettbewerbs.

Als in der spanischen Hauptstadt tausende Fans auf den Straßen die Vereinshymne (»Atleti, Atleti, Atlético de Madrid«) sangen, haute auch Diego Simeone in London mächtig auf den Putz. »Ich möchte den Müttern meiner Spieler gratulieren«, sagte der Trainer von Atlético Madrid nach dem Einzug ins Finale der Champions League, um dann seine Hände zu einem Korb zu formen: »Sie haben ihre Söhne mit so riesigen Eiern geboren, um so aufzutreten.«

Die Courage, die Atlético beim 3:1 (1:1) im Halbfinalrückspiel beim FC Chelsea an den Tag gelegt hat, brauchen die Spanier auch am 24. Mai in Lissabon. Dann trifft der Arbeiterverein, der nach dem 0:0 im Hinspiel als Außenseiter nach London gereist war, auf den großen Nachbarn Real. Das erste Stadtduell im Finale eines Europacupwettbewerbs wird in den spanischen Medien bereits als »Finalisima« - als Endspiel aller Endspiele - gefeiert. Für die Atlético-Anhänger, die für die zweite Fußballfiesta in Madrid innerhalb von 24 Stunden sorgten, steht der Finalsieger bereits fest. »Wer nicht hüpft, der ist Real-Verlierer-Fan«, schallte es durch die spanische Hauptstadt. Die Hoffnung auf das Double aus Meisterschaft und Champions League war bei den Feierlichkeiten allgegenwärtig.

Der Optimismus der »Rojiblancos«, deren Klub erstmals seit der 0:4-Niederlage gegen Bayern München im Wiederholungsspiel vor 40 Jahren wieder im Endspiel der Königsklasse steht, kommt nicht von ungefähr - und das liegt nicht nur daran, dass Atlético ungeschlagen ins Finale marschiert ist. In der laufenden Saison der Primera Division holte der Spitzenreiter vier Punkte (ein Sieg, ein Remis) gegen Real. Zudem gewann der Außenseiter vor einem Jahr den spanischen Königspokal durch ein 2:1 im Finale gegen den Stadtrivalen - und das in der Höhle des Löwen, im Bernabeu-Stadion der Königlichen.

Als Favoriten sieht Simeone seine Mannschaft dennoch nicht. »Ich glaube nicht, dass uns die guten Resultate zuletzt einen Vorteil verschaffen. Wir kennen uns gegenseitig sehr gut. Und wir wissen, dass wir gegen einen ganz großen Klub spielen, der große Endspiele gewohnt ist«, äußerte der argentinische Erfolgstrainer: »Wir dagegen waren schon lange nicht mehr auf so einer großen Bühne. Das wird eine neue Erfahrung für uns.« Obwohl dem neunmaligen spanischen Meister tatsächlich die Finalerfahrung in der Champions League fehlt, sind Europacupendspiele für Atlético alles andere als neu. Schließlich gewannen die Spanier 2010 und 2012 die Europa League.

Vor 37 918 Zuschauern an der Stamford Bridge war der Mannschaft diese Erfahrung deutlich anzumerken. Trotz des Rückstands durch den ehemaligen Atlético-Star Fernando Torres (36.) ließen sich die Gäste nicht aus der Ruhe bringen. Adrián (44.), Diego Costa per Foulelfmeter (60.) und Arda Turan (72.) sorgten für den verdienten Sieg. Den Erfolg in London hätte es aber nicht gebraucht, um sich den Respekt des Finalgegners zu verdienen. »Es gibt keinen Favoriten in einem Finale«, sagte Real-Trainer Carlo Ancelotti. Auch die beiden Superstars Cristiano Ronaldo und Gareth Bale sind sich einig: »Dieses Endspiel wird sehr schwer für uns.« SID

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