Todeskampf nach Giftspritze

In Oklahoma City missglückt eine Hinrichtung: Erst nach 40 Minuten Qual stirbt der Häftling an einem Herzinfarkt

  • Von Chantal Valery, Washington
  • Lesedauer: 3 Min.
Bilder wie aus einem Albtraum: 40 Minuten lang quälte sich ein zum Tode verurteilter US-Amerikaner bei seiner Hinrichtung, bevor ihn ein Herzinfarkt erlöste.

Es dauerte 40 Minuten, bis ein Herzinfarkt den grauenvollen Todeskampf von Clayton Lockett beendete: In dieser Zeit rang der verurteilte Mörder nach Luft, bäumte sich auf und murmelte Unverständliches, wie Medien berichteten. Grund für die folgenschweren Fehler bei der Hinrichtung am Dienstag in Oklahoma City war offenbar ein ungetesteter Giftcocktail. Der Bundesstaat verschob daraufhin eine zweite geplante Hinrichtung.

Die erste Injektion wurde Lockett um 18.23 Uhr (01.23 Uhr MESZ) verabreicht. Die Giftmischung besteht aus drei Substanzen: einem Beruhigungsmittel, einem Narkosemittel und einer tödlichen Dosis Kaliumchlorid, die nacheinander verabreicht werden. Doch offenbar ging bei der Prozedur etwas furchtbar schief, was als »Venendefekt« bezeichnet wurde. »Die Mittel gelangten nicht in den (Blut-)Kreislauf«, sagte der Gefängnissprecher Jerry Massie. Nach etwa vier Minuten stoppte Oklahomas Strafvollzugschef Robert Patton die Prozedur, die da bereits zur Tortur geworden war. Zu spät: Lockett starb nach offiziellen Angaben erst um 19.06 Uhr an einem Herzinfarkt. Angesichts des Grauens auf der Hinrichtungsbahre hatten die Wärter zuvor die Sichtblenden zum Exekutionsraum heruntergelassen.

Was die Journalistin Ziva Bran-stetter bis dahin gesehen hatte, erzählte sie dem Fernsehsender MSNBC: »Etwa 13 Minuten nach Beginn der Hinrichtung, nachdem er bereits für bewusstlos erklärt war, begann sich der Häftling vor Schmerz zu winden. Sein Körper bäumte sich irgendwie auf. Er malmte mit den Kiefern.« Mehrfach habe er Sätze gemurmelt. »Das einzige Wort, das wir verstehen konnten war ›Mann‹. Er schien sehr große Schmerzen zu haben«, sagte die Journalistin.

Nach dem Vorfall ordnete Strafvollzugschef Patton an, eine für denselben Abend angesetzte zweite Hinrichtung um zwei Wochen zu verschieben. Keine zwei Stunden nach Lockett sollte Charles Warner durch den gleichen Giftcocktail sterben. Der US-Bundesstaat hatte erstmals seit knapp 80 Jahren zwei Hinrichtungen an einem Tag angesetzt.

Lockett war im Jahr 2000 wegen der Vergewaltigung und Ermordung einer jungen Frau verurteilt worden, die er entführt und lebendig begraben hatte. Warner wurde wegen der Vergewaltigung eines elf Monate alten Mädchens im Jahr 1997 schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt.

Warners Anwältin Madeline Cohen erhob schwere Vorwürfe gegen die Behörden. »Clayton Lockett wurde zu Tode gefoltert«, erklärte die Juristin. Sie forderte eine Untersuchung. Zugleich erneuerte sie die Forderung nach »vollständigen Informationen« über die Substanzen des Giftcocktails, »ihre Reinheit, Wirksamkeit, Herkunft und Testergebnisse«. »Solange nicht mehr über das gescheiterte Hinrichtungsexperiment von heute Abend bekannt ist, darf in Oklahoma keine Hinrichtung mehr erlaubt werden.« Die US-Strafvollzugsbehörden haben bei den Mitteln für die tödlichen Giftspritzen seit längerem Nachschubprobleme, da sich die europäischen Hersteller der Mittel weigern, diese weiter für Hinrichtungen zur Verfügung zu stellen. Mehrere US-Bundesstaaten experimentieren daher mit nicht erprobten Giftmischungen von nicht bundesweit zertifizierten Herstellern, was auf scharfe Kritik stößt.

Oklahoma hatte die beiden Hinrichtungen im März zunächst wegen des Nachschubproblems verschoben. Dann gab der Oberste Gerichtshof des Bundestaates jedoch grünes Licht mit der Begründung: Das Recht auf Informationen bei den Giftspritzen sei nicht größer als beim elektrischen Stuhl. AFP

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