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Unter den Füßen kein Boden

Probenbesuch bei Kat Válastur, die im HAU 3 ihr Tanzsolo »GLAND« uraufführt

  • Von Karin Schmidt-Feister
  • Lesedauer: 3 Min.

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Die gebürtige Athenerin Katarina Papageorgiou lebt und arbeitet seit 2007 in Berlin. Nach ihrem postgradualen Studium »Solo/Dance/Authorship« an der Universität der Künste arbeitet sie allein bzw. genreübergreifend mit anderen Künstlern erfolgreich an eigenen forschungsbasierten Unternehmungen.

Als Kat Válastur präsentiert die junge Künstlerin eigenwillige Arbeiten, die sich in ausgefeilt strenger Formgebung mit der Verlagerung der Schwerkraft auf den menschlichen Körper in unterschiedlichen Räumen beschäftigen. Bereits in den Episoden ihrer Homer-Recherche »Oh! Deep sea-corpus I-VI« (2010-2012) kreierte sie eine besondere Raum-Zeit-Dimension. Für ihre auch international erfolgreiche Schlüsselarbeit »LANG« (2008) ließ sie sich von der menschlichen DNA inspirieren und schuf einen spiralförmigen Drehprozess, der sich nur aus einem Punkt heraus entwickelt und damit eine fortschreitende Linearität aufhebt.

Auf der Probebühne des Hebbeltheaters am Ufer (HAU) gibt sie erste Arbeitseinblicke in ihre neue Soloarbeit »GLAND«. »Durch mein jetziges Stipendium am Institut für Raumexperimente Berlin konnte ich intensiv mit dem Raum arbeiten. Choreografie ist nicht nur Tanz, sondern ein Schreiben im Raum. Meine Arbeit ist nicht nur die Bewegung, sondern räumliches Denken. Der Mensch ist sehr an die Schwerkraft gebunden, ich versuche, die gewohnte räumliche Ausrichtung von Bewegung zu verlassen.«

Jede Performance setze für sie eine innere Landschaft voraus, die in eine externe übersetzt wird. »Sicher, eine Performance mit dem Titel ›DRÜSE‹ klingt besonders im Deutschen sehr trocken.« Im englischen Wort gland (Drüse) stecke auch das Wort Land. »So steige ich tiefer und tiefer in eine mehrfach gespiegelte Landschaft. Ich hoffe, der Zuschauer wird eingeladen, meiner Reise mit seinen eigenen Erfahrungen und Empfindungen zu folgen.«

Kat Válastur zeigt mir lächelnd ein Poster, auf das sie zur Inspiration in den Umriss einer Drüse verschiedene Regionen gezeichnet hat (den Raum mit den Masken, den chromfarbenen Fluss, die Asphalt-Sphinx), die zu Orten der Performance werden. Bei der Probe pendelt sie zwischen zwei im Winkel stehenden weißen Wänden entlang. Die zierliche Performerin mit den roten Haaren bewegt sich durch ein Labyrinth, bei dem völlig unklar bleibt, was Wand und was Boden ist. Ihre Füße schleifen, tasten, Arme stemmen sich gegen die möglichen Abbruchwände, der Körper klebt an der Wand, kreist am Boden, hängt kopfüber, erstarrt in Skulpturen der Bestürzung, des Wartens, der Ruhe und pulst immer aufs Neue weiter. Nur eines scheint sicher: Hier verliert ein Mensch buchstäblich den Boden unter den Füßen. Faszination und Irritation.

Die Uraufführung von »GLAND« ist der erste Teil einer Reihe von Tanzschöpfungen unter dem Titel »The marginal Sculptures of Newtopia«, die sich mit Spannung zwischen dem konkreten Raum des Theaters und dem virtuellen Raum des Internets beschäftigen. Kat Válastur versucht, ausgesetzt dem Druck von Geschichte, Zeit und Gesellschaft, den Schrei zurückhalten und stattdessen eine Vielzahl von körperlichen Vibrationen zu produzieren. Die spielerische Verlagerung der Schwerkraft ist in ihrer Soloarbeit nie Selbstzweck, sondern bezieht sich in den »in Bewegung übersetzten Short-Stories auf heutige ökonomische, politische und ökologische Veränderungen«.

In goldenen Schuhen wird Kat Válastur im Dialog mit dem Sound (Lambros Pigounis) von Lawinenabbrüchen, glucksenden Echos und elektrischem Knistern ihre Landschaft erkunden. »Es gibt immer assoziative Freiräume für menschliche Erfahrungswelten, Hindernisse, Herausforderungen, aber auch Raum für die Schönheit des Lebens.«

Nach der Uraufführung im Berliner HAU 3 präsentiert Kat Válastur ihre neue Arbeit »GLAND« am 16. und 17. Mai im Tanzquartier Wien und »Oh! Tiefsee, Corpus III« am 27. Mai bei den Potsdamer Tanztagen.

Premiere am 6. Mai, 20 Uhr, im HAU 3. Weitere Aufführungen am 7., 9. und 10.5., jeweils 20 Uhr, und am 11.5., 17 Uhr. Kartentel.: (030) 25 90 04 27, www.hebbel-am-ufer.de

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