Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Rettungsplan für das »Hababusch«

Bewohner wollen Weimarer Hausprojekt kaufen

  • Von Niklas Wuchenauer, Weimar
  • Lesedauer: 3 Min.

Als sich die Umbaupläne für das zugewachsene Haus in Weimars Geleitstraße herumsprachen, reagierten viele Weimarer betroffen. Gerade für jüngere Menschen ist das »Hababusch« ein wichtiger Teil des kulturellen Angebots in der beschaulichen Stadt in Thüringen. Einen Namen gemacht haben sich seine Bewohner mit regelmäßigen »Wohnzimmerkonzerten« in nachbarschaftlicher Atmosphäre, Flohmärkten und Frühstücksbuffets zum Selbstkostenpreis - sogar ein nichtkommerzielles Hostel wurde bis vor Kurzem betrieben und machte das Projekt überregional bekannt. Doch die Umbaupläne des Besitzers sahen nur höherpreisige Appartements und Ferienwohnungen vor. Keine Rede war vom nichtkommerziellen Freiraum, als den die Azubis und Studenten in der Geleitstraße 4 ihr Haus verstehen.

Die Bewohner wollten dagegenhalten: Nach Monaten der Planung haben sie nun dem Hausbesitzer ein verbindliches Kaufangebot vorgelegt: Zusammen mit dem Mietshäusersyndikat, einem bundesweiten Netzwerk alternativer Hausprojekte, wollen sie das Haus selbst erwerben.

Wie es dann weitergehen soll, davon haben die jungen Leute ein bemerkenswert klares Bild: Auf 15 Seiten haben sie ihre Ideen zusammengestellt und veröffentlicht. Detailliert wird dort beschrieben, wie sie den barocken Altbau zu einem kulturellen und sozialen Treffpunkt ausbauen wollen. Im leer stehenden Erdgeschoss ist ein Kulturcafé geplant, in dem Konzerte von Studenten der Weimarer Musikhochschule genauso stattfinden sollen wie Ausstellungen und Lesungen.

Eine Etage darüber soll das Hostel wieder öffnen, für das das Haus früher so bekannt war. Und sogar der Hinterhof, nach den Plänen des Besitzers bald nur ein Parkplatz für die Mieter, könnte schon bald ein Geheimtipp für Familien werden: Hier soll ganz offiziell ein Kinderspielplatz entstehen, für den bisher immer die Genehmigung fehlte.

Mit dem am Montag öffentlich vorgestellten Konzept knüpfen die Bewohner im »Hababusch« an die Geschichte ihres Hauses an. Denn in der Geleitstraße 4 wurde 1994 eines der ersten Hostels in Ostdeutschland gegründet. Und schon schon die erste Generation der Bewohner hatte vor allem eines auf ihre Fahnen geschrieben: einen Ort des Miteinander aufzubauen. Die Hostelgäste sollten sich wie Mitbewohner in einer großen WG fühlen, beim WG-Abendessen waren sie wie selbstverständlich eingeladen.

Mit der komplizierten Geschichte ihres Hauses haben sich die Bewohner in den vergangenen Monaten intensiv auseinandergesetzt. Viele Ideen, darunter eben das enge Miteinander von Hostel- und WG-Leben, wollen sie wieder stärker in den Vordergrund rücken. »Es war ja schließlich gerade dieses gemeinschaftliche Leben, das viele von uns damals begeistert hat und wegen dem wir hier einziehen wollten«, erzählt Gregor Biastoch, einer der Bewohner.

Der mutige Schritt, das Haus selbst zu kaufen, ist für die Bewohner eine Lehre aus dieser Geschichte: Um die Pläne der jungen Gruppe zu ermöglichen, kaufte seinerzeit einer der Väter das Haus und ermöglichte so das Projekt der Studenten. Doch es kam zu Zerwürfnissen, so dass der Sohn des Besitzers zum Schluss allein dastand. Mit ihrem Vorschlag, das Haus gemeinsam mit dem Mietshäusersyndikat zu kaufen, wäre dieses Problem passé: Offizieller Eigentümer wäre der Trägerverein der Bewohner gleichermaßen wie das Mietshäusersyndikat.

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln