Nach dem Vergessen

Im Kino: »Der letzte Mentsch« von Pierre-Henry Salfati

  • Von Gunnar Decker
  • Lesedauer: ca. 4.5 Min.

Wenn man alt wird, erwacht die Kindheit aufs Neue. Plötzlich sind es die Bilder der Großeltern und der Garten des Elternhauses, die stärker leuchten als das, was man am Abend zuvor im Fernsehen sah. Kindheitstage, ich will euch zurückrufen, hieß das Leitmotiv in Hermann Bangs Erzählung »Das weiße Haus«, das auf andere Weise auch über »Der letzte Mentsch« von Pierre-Henry Salfati schwebt, hier jedoch wie ein Verhängnis.

Marcus Schwartz, Mitte achtzig, lebt seit Jahrzehnten in einer deutschen Stadt, in einer Wohnung voller Bücher. Geheiratet hat er nie. Plötzlich überfallen auch ihn Bilder aus der Kindheit in einem ungarischen Dorf und er denkt daran, dass er wohl bald sterben wird. Er heißt eigentlich nicht Marcus Schwarz, sondern Menahem Teitelbaum und kam als Kind über Theresienstadt nach Auschwitz. Seine ganze Familie wurde ermordet, nur er überlebte - und blieb in Deutschland. Warum? Weil das Leben überall gleich absurd ist...


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