Die Hinrichtung der Bücher

10. Mai - der Namenstag für die Freiheit des Wortes

  • Von Ralph Grüneberger
  • Lesedauer: ca. 6.5 Min.

»Der Jude kann nur jüdisch denken. Schreibt er deutsch, dann lügt er. Der Deutsche, der deutsch schreibt, aber undeutsch denkt, ist ein Verräter.« - aus: »Wider den undeutschen Geist« (Flugblatt vom 12. April 1933)

Es liegt 31 Jahre zurück, dass ich im Auftrag der Kulturhausleitung der Brikettfabrik Deutzen eine Veranstaltung zur Bücherverbrennung der Nationalsozialisten organisiert habe. Ich war seinerzeit Kandidat des Schriftstellerverbandes der DDR und hatte im Sommer zuvor mein Studium am Institut für Literatur »Johannes R. Becher« abgeschlossen. Für die Erinnerung an die im sogenannten Dritten Reich verfolgten und vertriebenen Autoren lud ich zwei Kolleginnen und einen Kollegen aus dem Kandidatenkreis ein. Gemeinsam ehrten wir die in den Tod oder außer Landes getriebenen Autoren, indem wir in Lessings Manier aus deren Werken lasen, die 50 Jahre zuvor in deutschen Universitätsstädten öffentlich verbrannt worden waren. Unse...


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