Vizekanzler wirbt für die Garnisonkirche

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) ruft auf, für den umstrittenen Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche Geld zu spenden.

Potsdam. Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) hat zu Spenden für den Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche aufgerufen. Das Vorhaben sei »mehr als nur ein nostalgisches Projekt« und fordere zu einer kritischen Debatte über die Geschichte heraus, sagte der Bundeswirtschaftsminister am Donnerstagabend bei einem Empfang des baden-württembergischen Unternehmens Würth in Berlin. Die Bürgerinitiative »Potsdam ohne Garnisonkirche« protestierte vor der Unternehmensrepräsentanz auf der exklusiven Havelinsel Schwanenwerder.

Die wieder aufgebaute Barockkirche, die im Zweiten Weltkrieg ausbrannte und in der DDR abgerissen wurde, könne als Zentrum für Friedens- und Versöhnungsarbeit zu einem Ort der Aufklärung werden und zum Symbol dafür, »dass sich am Ende die Feinde der Freiheit nicht durchsetzen«, betonte Gabriel. »Solche Orte braucht eine lebendige Demokratie.« Eine städtebauliche Alternative zur Garnisonkirche sei nicht zu erkennen, behauptete der Minister. »Ich sehe bisher keine bessere Idee.«

Bei dem Empfang am Donnerstagabend wurde eine historische Glocke der Garnisonkirche an Brandenburgs früheren Ministerpräsidenten Manfred Stolpe (SPD) übergeben. Die 25 Zentimeter große Glocke war nach der Zerstörung der Kirche von zwei kleinen Jungen geborgen worden und soll künftig in der Ausstellung am Standort der Garnisonkirche gezeigt werden. Der Grundstein für den Wiederaufbau wurde bereits 2005 gelegt. Der eigentliche Wiederaufbau hat aber noch nicht begonnen, weil die Finanzierung weiter offen ist. Zunächst soll der rund 40 Millionen Euro teure Kirchturm errichtet werden.

Über den Wiederaufbau wird seit Jahren kontrovers diskutiert. In Potsdam läuft seit einigen Wochen ein Bürgerbegehren. 8452 Unterschriften gegen den Wiederaufbau sind bereits gesammelt. Der Wiederaufbau ist unter anderem umstritten, weil sich am 21. Mai 1933 vor der Kirche anlässlich der Reichstagseröffnung Adolf Hitler und Reichpräsident Paul von Hindenburg symbolträchtig die Hand reichten. epd/nd

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung