Frische Beats für iTunes

Medieninformationen zufolge steht Apple vor seiner teuersten Übernahme

2,3 Milliarden Euro will Apple Gerüchten zufolge für den Kopfhörerbauer Beats Electronics zahlen. Der Rapper und Miteigentümer Dr. Dre sieht sich schon als ersten Hiphop-Milliardär der Welt.

Apple könnte bald auch Kopfhörer verkaufen. Denn der Computerhersteller will Medienberichten zufolge für 3,2 Milliarden US-Dollar (2,3 Milliarden Euro) die Lautsprecherbauer von Beats Electronics kaufen. Es wäre die größte Übernahme, die Apple bis jetzt in seiner Firmengeschichte getätigt hat. Eine Person würde sich über die Übernahme besonders freuen: André Romell Young, der den meisten unter seinem Künstlernamen Dr. Dre bekannt ist.

Dr. Dres Lebensgeschichte ist die etwas anrüchige Version des amerikanischen Traums vom Tellerwäscher zum Millionär. 1965 in Los Angeles' Armenviertel Compton geboren, gründete der afroamerikanische Rapper im Jahr 1986 mit weiteren späteren Hiphop-Legenden die Band N.W.A., deren Kürzel für »Niggaz with Attitude« steht. Mit Liedern, in denen sie Drogenhandel, ihre Mitgliedschaften in Gangs und das Töten von Polizisten glorifizierten, machten sie sich einen Namen. Dr. Dre produzierte später selber diverse Rap-Stars und gründete im Jahr 2008 zusammen mit Jimmy Iovine Beats Electronics, das Apple nun kaufen will.

Dabei wird es dem i-Phone-Produzenten wahrscheinlich weniger darum gehen, in den Kopfhörer-Markt einzusteigen. »Dies ist ein Marktsegment, das schnell wächst, aber es gibt keine Garantie, dass dies anhalten wird«, zitiert die »Financial Times« den Analysten Ben Bajarin. Zudem könnte Apple die Kopfhörer selber weitaus billiger produzieren. Ein weiteres Argument gegen den Kauf ist, dass die Kopfhörer trotz saftigen Preises nicht gerade die beste Qualität haben sollen.

Worauf es Apple neben dem kultigen Namen wohl eher abgesehen hat, ist eine noch relativ junge Unternehmenssparte von Beats Electronics. Im Januar starteten die Kopfhörerbauer den Dienst Beats Music. Für eine Abo-Gebühr von 9,99 US-Dollar im Monat kann man sich auf dieser Plattform laut Unternehmensangaben über 20 Millionen lizenzierte Lieder mit Hilfe der Streamingtechnologie anhören und auch herunterladen. Ähnlich wie bei der Videoplattform Youtube muss die Musik dabei nicht mehr auf einer Festplatte gespeichert werden, sondern wird direkt aus dem Internet abgespielt. Dabei ist der Dienst von Dr. Dre mit allen gängigen Smartphone-Betriebssystemen wie iOS von Apple und Android von Google kompatibel.

Schließlich ist Apples eigene Musikbibliothek iTunes mittlerweile etwas in die Jahre gekommen. Zwar bietet Apple auf der Plattform, auf der man seit dem Jahr 2003 Musik per Mausklick kaufen kann, mittlerweile auch einen Streamingdienst an. Doch wird dies von den Kunden bisher noch nicht richtig angenommen. Branchenführer sind auf dem potenziellen Boom-Markt zurzeit Spotify und Pandora und auch Konkurrent Google bietet bereits einen ähnlichen Dienst an. Jedoch ist auch Beats Music mit seinen geschätzten 200 000 Nutzern nicht gerade ein Gigant auf dem Markt. Zum Vergleich: Spotify hat über sechs Millionen zahlende Nutzer. »Es fällt uns schwer, die Gründe für diesen Schritt nachzuvollziehen«, schrieb deswegen Branchenanalyst Gene Munster.

Der Deal könnte bereits nächste Woche unter Dach und Fach sein, schreibt die »New York Times«. Doch weder Apple noch Dr. Dre wollten sich bisher zu den Gerüchten äußern. Der Rapper ließ sich zwar in einem Video bereits als erster Hiphop-Milliardär der Geschichte feiern. Er kriegte dann aber schnell kalte Füße und ließ das Video kurze Zeit später wieder aus dem Netz nehmen.

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