Krokodil schlägt Hai

Jack Ma ist einer der »Großväter des chinesischen Internets«

  • Von Stephan Fischer
  • Lesedauer: 2 Min.

Bei einem Besuch in den USA 1995 wollte Jack Ma bei Freunden dieses Ding namens Internet sehen. Er tippte das Wort »Bier« in eine Suchmaschine. Alle möglichen Sorten wurden ihm angezeigt, nur keine chinesischen. Ma gab »China« ein: nichts. Keine Daten, keine Seiten. Der bevölkerungsreichste Staat der Erde existierte im Netz nicht.

Der 49-jährige ehemalige Englischlehrer ist einer jener chinesischen »Großväter des Internets«, die das ändern sollten, auch wenn er selbst 2005 noch sagte, von Computern nicht mehr zu verstehen, als für das Senden und Empfangen einer E-Mail notwendig sei. Mit seiner 1999 gestarteten Website »Alibaba.com«, einer Online-Handelsplattform, brachte er Ebay dazu, sich ein Jahr später trotz Investitionen von geschätzt 250 Millionen Dollar aus China zurückzuziehen: »Ebay mag ein Hai im Ozean sein, aber ich bin das Krokodil im Jangtse-Strom. Wenn wir im Ozean zum Kampf antreten, verlieren wir - aber kämpfen wir im Fluss, gewinnen wir.«

Für seine Sprüche und Auftritte auf den »Alifest« genannten Mitarbeiterfesten ist der auf den den ersten Blick mit Fransenfrisur uncharismatisch wie Microsoft-Gründer Bill Gates daherkommende Ma bekannt: Er liebt die große Show im Arnold-Schwarzenegger-Kostüm oder im Kung-Fu-Outfit.

Sein Unternehmen steht nun vor dem Börsengang in New York, der ein größeres Volumen als der des sozialen Netzwerks Facebook haben könnte. Mit Teilen des Erlöses will Ma wie Gates einen Fonds für wohltätige Zwecke ausstatten, der laut »Wall Street Journal« zwei bis drei Milliarden Dollar schwer sein könnte. Ein Feld für den Fonds ist der Umweltschutz, den Ma seit Längerem für sich entdeckt hat. So ist seit 2009 der weltweit vielfach geächtete Verkauf von Haifischflossen auf der Plattform verboten; Ma und seine Familie hätten längst der Haifischflossensuppe »jetzt und für immer abgeschworen.« In einigen Monaten aber geht die Firma des Krokodils in großen Teilen doch an die »Finanzhaie« der Wall Street.

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