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Pflückoasen in Altstadt

Die Transition-Town-Initiative in Witzenhausen setzt sich für nachhaltige Lebensweise und Selbstversorgung ein

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Was tun, wenn die Technik zusammenbricht, weil das Öl knapp wird? Was essen wir, wenn die Lebensmittel nicht mehr eingeflogen werden? In Witzenhausen wird versucht, Antworten zu geben.

Ein Samstagvormittag im Frühling, in der Brückenstraße vor dem Transition-Town-Haus im hessischen Witzenhausen wimmelt es von Menschen. Einige beugen sich über Bänke mit jungen Kohl, Chilipflanzen und anderes werden zum Tausch angeboten oder gegen Spende abgegeben. Seit Wochen laufen die Vorbereitungen für die Gartensaison auf dem Hinterhof des örtlichen Transition-Town-Hauses: Jungpflanzen wurden aufgezogen und bewässert, Gewächshäuser aufgebaut, Schilder für Blumenkübel ausgesägt. Denn: Essbare Pflanzen zu vermehren und weiterzugeben ist für die Selbstversorgung unverzichtbar.

Was tun, wenn die Technik zusammenbricht, weil das Öl knapp wird? Was essen wir, wenn die Lebensmittel nicht mehr eingeflogen werden? »Damit müssen wir uns schon heute gedanklich auseinandersetzen«, meint Silvia Hable, Mitgründerin der Transition-Town-Initiative - die Stadt im Wandel. Am Anfang der Initiative stand zunächst ein bunter Haufen von Leuten, die gemeinsam etwas an den etablierten Konsumkreisläufen ändern wollten. Inzwischen engagieren sich 60 Menschen in diversen Projekten: Mehrgenerationengarten, Saatguttausch, eine Food-Coop ist in Gründung.

Das regionale Vorzeigeprojekt UnvergEssbar erhielt 2012 den Umweltpreis des Werra-Meißner-Kreises. Es zieht Neugierige auch von außerhalb an. Auch wenn es in den wöchentlichen Treffen mehr Ideen gibt, als Menschen, die sie umsetzen können, so wurde innerhalb von drei Jahren doch Einiges angestoßen.

Das Konzept der »Essbaren Stadt Witzenhausen« knüpft an lokale landwirtschaftliche Traditionen an. Exemplarisch ist der Schaugarten am Fußweg zum Nordbahnhof. Hier mussten vor einigen Jahren hohe Bäume einem unterirdischen Wasserspeicher weichen. Danach sollte der übliche Zierrasen eingesät werden. Doch statt dessen pflanzte die Gartengruppe - im Einvernehmen mit dem Bauamt - Obstbäume, Beerensträucher, Gemüse und Gewürzkräuter, angereichert mit frischer Komposterde.

Ein anderes Projekt ist der Mehrgenerationengarten: Mitten in der Stadt experimentierten Gärtnerinnen und Gärtner bis vor drei Jahren in einem Gemeinschaftsgarten mit Permakultur und kreisförmigen Beeten. Dann wurde das Gelände verkauft, Bäume wurden gefällt und ein Altenpflegeheim gebaut. Doch anstatt sich einen neues Gelände zu suchen, erarbeitete die Gruppe ein alternatives Gartenkonzept: Hochbeete, Gemüsebeete und Kräuterwiesen mit Kirsch-, Birnen- und Apfelbäumen im Umfeld des Pflegeheims. Stadt- und Heimbewohner sollen die Beete nun gemeinsam bewirtschaften und beernten.

Seit drei Jahren gibt es auch die Pflückoasen in der Innenstadt: Rund 40 Geschäftsleute betreuen vor dem eigenen Laden einen Pflanzkübel mit Bohnen, Tomaten, Pflücksalat, Erdbeeren, Kräutern oder Salat. Schilder mit der Aufschrift »Pflücken erlaubt« fordern die Passanten zum Ernten auf.

»Ob Rucksäcke oder alte Jeanshosen - bepflanzt werden kann eigentlich fast alles«, erklärt Farid Melko. Der Transition-Town-Aktivist hält einen Workshop darüber, was beim Pflanzen und bei der Pflege von Gemüse, Salat und Kräutern in Pflanzkübeln und anderen Behältnissen zu beachten ist. Dennoch: »Es gibt es noch etliche ungenutzte Potenziale«, räumt Stadtgärtnerin Silvia Hable ein. So vergammeln im Herbst jede Menge Äpfel, Birnen und Pflaumen in den Bauerngärten und auf den Obstwiesen am Stadtrand. Wenn man all dieses Obst aufsammeln würde, müsste man es nicht kaufen.

Im vergangenen Jahr konnte jeder an einer Apfelpresse auf dem Marktplatz aus seinen eigenen Äpfeln Saft pressen. So werden die Stadtbewohner motiviert, ihr einheimisches Obst zu verwerten. Ideen zur Selbstversorgung gibt es viele. Und etliche, darunter das Pflanzen von Esskastanien, warten in Witzenhausen noch auf ihre Umsetzung.

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