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Menschlein in der Wildnis

»Das Gesetz des Dschungels« im Theater an der Parkaue

Die Affen sind los. Sie springen und singen und baumeln und schwingen. Gerade so, als würde ihnen die Welt gehören. Auf andere Tiere sehen sie von Bäumen herab und geben sich wie eine Partygesellschaft. Nichts kümmert sie.

Großes Getümmel brachte Sascha Bunge in seiner Inszenierung »Das Gesetz des Dschungels« von Bernd Heiber als Uraufführung nach dem Roman »Die Dschungelbücher« von Rudyard Kipling auf die Bühne des Jungen Staatstheaters Berlin.

Verfilmt und Kindern gut bekannt ist Kiplings Werk über das Zusammenleben der Tiere unter dem grünen Blätterdach, wohin sich ein kleines Kind verirrt. Die Wölfe verweigern dem Tiger das von ihnen entdeckte Menschenkind als Beute und ziehen es auf. Hier und an anderen Stellen des Stücks wird die unbezwingbare Kraft der Mutterliebe deutlich gemacht. Als Mowgli, kleiner Frosch, wächst das »Menschenjunge« auf.

Dem »nackten Ding«, wie die Tiere das Kind auch nennen, wird das Gesetz des Dschungels regelrecht eingebläut. Dschungellehrer Bär Balu haut dem heranwachsenden Mowgli schon mal die Tatze um die Ohren. Auch die schwarze Raubkatze Baghira schubst ihn herum wie ihresgleichen. Doch beide lieben und beschützen das Menschenkind, das sich die Sprachen der Tiere aneignet.

Die freudig spielenden Tier-Schauspieler tragen Schminke, Masken und Mützen und werden damit Tiere. Das ist das Bewundernswerte an diesem Ensemble. Auch wenn hier Erwachsene Kinder spielen, wirken sie dabei nie wie verkleidete Erwachsene. Dann sind sie Kind wie Niels Heuser als Mowgli. Elisabeth Heckel und Andrej von Sallwitz sind die wachsamen Wolfseltern, Stefan Kowalski stapft als Bär herum, Franziska Ritter klettert und räkelt sich schön als Baghira.

Stark gespielt ist ihrer aller Widersacher. Jakob Kraze, seit Beginn der Spielzeit 2013/14 an der Parkaue, konnte noch in keiner Rolle sein Können so intensiv anbringen wie nun als Tiger Shir Khan. Ulkig die Dschungelband, für die sich Anton Berman, Matthias Müller und Kostia Rapoport ihre Songs schufen.

Hart sind die Regeln des Dschungels. Durchaus realistisch ist dargestellt, dass ein Wolfsrudelchef, dem Kraft fehlt, sofort abgelöst und nicht wie bei dem Menschen zur »Jagd« getragen wird. Man weiß das Wohl der Beißdemokratiegemeinschaft in der Wildnis zu sichern. Heiber und Bunge bringen dies und mehr zur Sprache. Einige Aussagen wirken etwas pragmatisch, aber auch die Zuschauer ab zehn Jahren sollen schließlich lernen. Gut, dass sie auch erleben, dass Mowgli anders als die Tiere das Dschungelgesetz durchaus hinterfragt. Den Schülern ab der 5. Klasse bleibt letztlich über die Frage zu sprechen, wo der im Dschungel Aufgewachsene wohl später seinen Platz finden könnte. Bei den Menschen? Bei den Tieren?

Dem Menschen äußerlich am ähnlichsten, mussten schon bei Kipling die Affen für üble Gleichnisse herhalten. Großes Maul, nichts dahinter. »Hinter uns nur Schmutz und Dreck - und große Reden vorneweg«, singt die Bandar-log-Truppe, sich von Baumwipfel zu Baumwipfel schwingend. Nach einem Führer rufend, folgen sie in ihrer dummen Eitelkeit der Riesenschlange Kaa zum totalen, für sie tödlichen Tanz. Riesig schön schaurig grün ist die Schlange gebaut, lässt die großen Augen im auf das Nötigste beschränkten und damit dem Spiel gut dienenden Bühnenbild von Angelika Wedde leuchten. Dieses Spiel braucht viel Raum.

Weitere befremdliche Eigenheiten von Menschen finden sich in der Inszenierung widergespiegelt. Etwa Fremdenfeindlichkeit oder die Gier nach Besitz. Letztere wird im zweiten Teil des 130 Minuten langen Stücks noch extra behandelt. Sascha Bunge ist nicht so konsequent wie gewohnt. Im Grunde ist im ersten Teil des Stücks alles gesagt. Und da ist Pfeffer. Doch der Autor hält den Regisseur mit einer List im Dschungel fest. Er lässt den wortbrüchigen Tiger länger leben.

Nächste Vorstellung: 19.5., weiter im Juni, Junges Staatstheater Berlin, Parkaue 29, Lichtenberg, Kartentelefon: (030) 55 77 52 52, www.parkaue.de

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