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Über das Deutschland, das nur wenigen gehört

  • Von Roberto De Lapuente
  • Lesedauer: 3 Min.

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Wem gehört Deutschland? Dem größten Teil der Bevölkerung sicher nicht. Und trotzdem hat man Angst vor linker Politik. Ist das die Furcht davor, das Bisschen was man besitzt, auch noch aufgeben zu müssen?

Einer meiner Kollegen pflichtet mir regelmäßig bei: »Du und deine Genossen, ihr liegt mit vielem richtig«. Aber wählen will er »Die Linke« nicht. Weil erstens, »euer Kommunismus hat schon mal nicht geklappt« und zweitens, »ich möchte nicht enteignet werden«. Er hat Angst um sein Häuschen. Gemeinhin spare ich mir die Mühe, ihm zu erklären, dass ich weder Kommunist bin. Noch würden die Maßnahmen, die man damals bei den Kulaken zur Anwendung brachte, heute von einem Parteigänger von »Die Linke« gefordert. Dass die politische Linke ein gestörtes Verhältnis zum Eigentumsbegriff hat, ist eine weitverbreitete Ansicht. Das weiß man mindestens seit Proudhons Schrift »Qu’est ce que la propriété?«. Mit einigen frommen Worten kriegt man das nicht aus den Köpfen. Aber vielleicht mit einem Buch?

Jens Berger beschreibt in seinem neuen Buch »Wem gehört Deutschland? Die wahren Machthaber und das Märchen vom Volksvermögen«, dass das gestörte Verhältnis zum Eigentum nicht von den Linken ausgeht, sondern von jenem »alternativlosen« System, das wir als die »freie Marktwirtschaft« kennen. Nach Lektüre des Buches wird klar: So viele Häuschen von Privatleuten werden die Kommunisten gar nicht enteignen können. Bei den Privatleuten gibt es ohnehin nicht viel zu holen. Nur im oberen Segment, bei den oberen 10 Prozent und speziell bei dem obersten 0,1 Prozent würde es sich lohnen.

Betriebsvermögen sind extrem ungleich verteilt, entlarvt Berger. Der gesunde Mittelstand ist ein Mythos. Das Wachstum im Bereich kleiner Selbstständiger ist ein Anzeichen der Ungleichheit bei der Vermögensverteilung und somit ein Missstand. Immobilien sind nicht das »Volkseigentum« schlechthin – der meiste Wohnraum gehört den oberen 20 Prozent. Ich habe mich auch immer gewundert, wo all die durchschnittlichen Spareinlagen sind, die mir die Statistik andichtete. Das Gleiche gilt für die Arbeitsstunden, die diese Woche in der Presse mit durchschnittlich 31,70 Euro angegeben werden. Berger verweist darauf, dass die unteren 10 Prozent mit 6,85 Euro pro Stunde auskommen müssen. Das zehrt wiederum an deren Sparsamkeit. Sie steuern jährlich 1.360 Euro von ihrem Tafelsilber dazu, um von diesem Lohn leben zu können.

Die zentrale Frage des Buches ist, ob wir uns so viel Reichtum überhaupt leisten können. Mit einer Neiddebatte hat das aber nichts zu tun. Es geht um Gerechtigkeit. Und die ist nicht einfach nur hübsch anzusehen, sondern von fundamentaler Bedeutung. Denn wenn den meisten Menschen Deutschland eher nicht gehört, dann interessieren sie sich nicht mehr für ihr Gemeinwesen, werden unpolitisch und resigniert, wenden sich ab. Zu beobachten ist ein solches Verhalten ja heute schon bei diversen Wahlen. Deshalb sind Bergers Vorschläge zur UmFAIRteilung gegen Ende des Buches nicht einfach nur Gerechtigkeitsromantik. Sie sind ein Ausweg aus der Resignation.

Eigentum verpflichtet, sagt das Grundgesetz an einer Stelle – wenn aber immer mehr Menschen immer weniger oder nur noch »die Hand im Mund« besitzen, von was wollen sie dann eine Verpflichtung ableiten, sich für ein friedliches, stabiles und ausgewogenes Gemeinwesen einzusetzen? Wer ohne Eigentum ist, der fragt sich doch nur, was ihn das alles angehen soll. Es ist ja nicht seine Veranstaltung, sondern die der Profiteure der Gesellschaft.

Wem gehört also Deutschland? Den meisten Menschen in Deutschland eher nicht. Berger ist es gelungen, ein linksliberales Buch ohne Linksromantik zu schreiben, das diesen Umstand nicht nur anklagt, sondern Alternativen aufzeigt. Und alleine das ist in »alternativlosen Zeiten« wahrlich nicht wenig.

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