Werbung

Redaktioneller Schrumpfkurs

Verlag M. DuMont Schauberg baut massiv Stellen ab

  • Von Anja Krüger, Köln
  • Lesedauer: 3 Min.

Echt jetzt? Ihr wollt Geld von mir?

Ja, herrgottnochmal, es kostet!

Auch, wenn's nervt – wir müssen die laufenden Kosten für Recherche und Produktion decken.

Also, mach mit! Mit einem freiwilligen regelmäßigen Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Für viele Mitarbeiter beim Verlag M. DuMont Schauberg sieht die berufliche Zukunft derzeit trübe aus. Sie müssen fürchten, dass ihre Arbeitsplätze den Kürzungsplänen des Unternehmens zum Opfer fallen.

Im Kölner Medienhaus M. DuMont Schauberg (MDS) hat der große Arbeitsplatzabbau eingesetzt. Werden in diesen Tagen die Lokalreporter des »Kölner Stadt-Anzeiger« (KStA) zu einem Gespräch von der Geschäftsführung eingeladen, schwant ihnen nichts Gutes. »Die Geschäftsführung hat erste Kündigungen gegenüber Pauschalisten ausgesprochen«, berichtet ein Insider. MDS will offenbar schon einmal Fakten schaffen, während die Verhandlungen zwischen dem Betriebsrat und der Geschäftsführung über die Zusammenlegung der meisten Lokalteile von KStA und »Kölnischer Rundschau« gerade erst begonnen haben.

An einer anderen Front im Hause MDS konnten Betriebsrat und die Gewerkschaft ver.di nach monatelangen Verhandlungen zwar keinen Arbeitsplatzabbau, aber immerhin Dutzende von betriebsbedingten Kündigungen verhindern. Bei MDS erscheinen neben dem KStA unter anderem die »Berliner Zeitung« sowie die »Mitteldeutsche Zeitung«. Im vergangenen Herbst hatte die Geschäftsführung angekündigt, im Kölner Stammhaus 84 Beschäftigten in Verlag, Druckerei und Verwaltung betriebsbedingt zu kündigen. Bislang beschäftigt das Unternehmen mehr als 800 Mitarbeiter.

Zwar konnte der Betriebsrat die Arbeitsplatzvernichtung nicht verhindern. Laut Betriebsvereinbarung fallen durch die Schließung von Korrektur, Bildbearbeitung, Textumbruch und Poststelle 35 Stellen weg. In der Anzeigenabteilung werden 15 Arbeitsplätze ersatzlos gestrichen, 34 in der Druckerei.

Aber ver.di hat mit MDS für die von Kündigung Bedrohten einen Altersteilzeittarifvertrag abgeschlossen, der Betriebsrat eine Vereinbarung zu Abfindungen. Danach erhalten Mitarbeiter, die fünf Jahre und mehr bei MDS beschäftigt sind, eine Abfindung mit einen Sockelbetrag von 25 000 Euro brutto sowie 2000 Euro pro Jahr der Betriebszugehörigkeit, Schichtarbeiter bekommen einen Zuschlag von 25 000 Euro. Nach Angaben von MDS haben sich bislang etwa 70 Beschäftigte für die Abfindung oder eine Altersteilzeitregelung entschieden. Als Alternative können Mitarbeiter für zwölf Monate in eine Transfergesellschaft gehen. »Aktuell gehen wir noch von maximal 10-15 Fällen aus, für die Kündigungen im Raum stehen«, schreiben die Geschäftsführer Philipp M. Froben und Karl-Heinz Goßmann in einer Mitarbeiterinformation.

Dieser Personalabbau wird nicht der letzte sein. Hinzu kommen kurzfristig um die 30 Stellen, die durch die Zusammenlegung von Lokalredaktionen überflüssig werden. Auch in der Zentralredaktion soll gekürzt werden, Details sind bislang nicht bekannt. Die Rede ist von einem Einsparvolumen von einer Million Euro. Doch das dürfte noch nicht das Ende der Fahnenstange sein. Auch in den ersten Monaten des Jahres 2014 zeige sich keine Besserung im Anzeigengeschäft, schreiben Froben und Goßmann an die Mitarbeiter. »Wir müssen deshalb auch in Zukunft prüfen, ob eine Nachbesetzung von durch Fluktuation frei werdenden Stellen vertretbar ist«, kündigen sie an.

Trotz laufender Verhandlungen und der abgeschlossenen Betriebsvereinbarung hat die Geschäftsführung die Wahl des seit März amtierenden Betriebsrats vor dem Arbeitsgericht Köln angefochten. Der Grund: An der Wahl haben rund 90 Beschäftigte teilgenommen, die MDS in eine tarifungebundene Gesellschaft, die »Media Vermarktung Rheinland« (MVR), geschoben hat.

Der Kölner ver.di-Sekretär Stephan Otten geht davon aus, dass es um eine gezielte Schwächung des Betriebsrats geht. Hintergrund sei der derzeit stattfindende Umbau des Verlagshauses. »Dabei will die Geschäftsführung möglichst wenig gestört werden«, sagt Otten. Rechtlich betreten beide Seiten Neuland. Der Betriebsrat ist davon überzeugt, für die ausgelagerten Beschäftigten zuständig zu sein, da MVR und MDS ein Betrieb seien. »Wir sind zuversichtlich, dass wir gewinnen werden«, heißt es im Umfeld des Betriebsrats.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!