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Neoliberales Denken ohne Zukunft

Lena Tietgen über die Fähigkeit der Wirtschaftswissenschaften zur Selbstkritik

Es geht noch kein Gespenst um in in der Welt und doch sollte man die Initiative »Rethinking Economics« samt deren Aufruf für eine plurale Ökonomik Ernst nehmen. Die Zeichen gesellschaftlicher Begrenztheit neoliberalen Wirtschaftens sind überdeutlich. Laut UN-Angaben sollen Ende 2013 allein 33,3 Millionen Kinder, Frauen und Männer innerhalb ihrer Staaten auf der Flucht gewesen sein. In der Regel wären bewaffnete Konflikte die Ursache, doch hinter vielen dieser Konflikte stehen Ressourcenkämpfe. Um Wasser, Nahrung und letztendlich auch um Bildung, ohne die für Menschen das Leben in der digitalen Welt zum nackten Leben werden kann.

Doch Bildung auf der Flucht hat kaum mehr etwas gemein mit der allgemeinen Bildung à la Humboldt. Auch die durch PISA angestoßene Zweckorientierung als Bildungsziel nützt Menschen auf der Flucht herzlich wenig. Das, was und wie sie unter diesen Bedingungen lernen, erfolgt nach Kriterien des Überlebens, unmittelbar und chaotisch.

Flüchtlingsbewegungen, wogegen sich reiche Länder abschotten, sind nur eines der globalen Probleme, die nur global vernetzt und damit gemeinsam, angefasst und gelöst werden können. Schon in den 1990er Jahren vertrat der Erziehungswissenschaftler Wolfgang Klafki die Ansicht, dass Bildung ein Kompetenzerwerb zur Lösung »epochaler Schlüsselprobleme« bedeuten müsse. Stattdessen setzte sich aber in den vergangenen zwei Jahrzehnten der rein pragmatische Kompetenzgedanke durch, höhlte so den Reflexionsraum aus.

Nun ist die erste Generation durch diese blinde Bildung gelaufen und ruft zurecht nach einem Prozedere, in dem Alternativen wachsen können. Das neoliberale Konzept hatte nie eine Zukunft, nun scheint ihr die Gegenwart auch abhanden zu kommen. Das ist ein Anfang.

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