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Anrennen gegen ein Prestigeobjekt

Turbulente Proteste gegen Geldverschwendung bei Hamburger Elbphilharmonie

  • Von Roger Repplinger, Hamburg
  • Lesedauer: 2 Min.

Hamburg, Samstagmittag. Schwarze Schirme, Transparente gegen den Krieg, gegen Abschiebung und Militarisierung, T-Shirts mit der Aufschrift: »Elbdisharmonie«. Die Polizei war auch schon da - dabei hat die Blockupy-Demo noch nicht begonnen.

Elke aus Bremen rief per Lautsprecher zu »Widerstand gegen die Krisenpolitik in Deutschland und Europa« auf, zu »zivilem Ungehorsam und Widerstand von unten«. Sie kündigte an, »dass wir heute die Elbphilharmonie erreichen wollen«. Das Gebäude mit Konzertsaal, Hotel und Wohnungen, das mindestens eine Dreiviertel Milliarde Euro kosten wird, liegt in der HafenCity. . Es ist ein Wahrzeichen der Stadt - für unkontrollierbaren Kapitalismus.

»Die Geschichte der Elbphilharmonie ist nicht eine von Kultur und Kunst, sondern von Geldverschwendung. Die andere Seite der Geschichte ist Armut in Hamburg, kaputtgesparte Kultureinrichtungen und schändlicher Umgang mit Flüchtlingen«, sagte Christoph Kleine aus Lübeck. Er ist einer der Demo-Initiatoren.

Unterwegs zur HafenCity sind »FCK SPD«-Aufkleber zu sehen. Eine Losung wird skandiert: »Olaf Scholz genug gehetzt, Bleiberecht wird durchgesetzt«. Der Protest hat viele Sprachen: Italienisch, Spanisch, Englisch, Französisch und Deutsch. Gegen 14.30 Uhr erreichten 3000 Demonstranten - so schätzte Kleine - die Magellan Terrassen in der HafenCity. Die Polizei zählt nur 1000 Teilnehmer.

Eine Rednerin erklärte die Elbphilharmonie zum »riesigen Prestigeobjekt«, das in Verbindung steht mit Entscheidungsprozessen des Kapitals, wo es Geld investiert. Wir, so die Rednerin, »müssen denen zeigen, dass wir keinen Bock auf diese Scheiße haben«.

In den Restaurants der HafenCity essen Touristen Pizza, trinken Kaffee und gucken Demo. Die wurde dann für beendet erklärt. Gegen 14.50 Uhr zählte eine Handvoll Demonstranten »Zehn, neun, acht …«. Bei »eins« stürzten sie sich in die Polizeikette, die verhindern soll, dass das Demo-Motto: »HafenCity entern - Elbphilharmonie besichtigen«, umgesetzt wird. Es flogen Tische, Teller, Tassen, Tabletts, Feuerwerkskörper, die Polizeibeamten rannten nach rechts, Hunderte von Demonstranten gingen problemlos links um die Kette herum. Nun wurde es hektisch. Wasserwerfer, Gummiknüppel, Pfefferspray. Die Polizei machte alles dicht, ein Kessel entstand.

Auf dem Pflaster lag ein am Kopf blutender Demonstrant, in einem Sanitätsfahrzeug wurde eine verletzte Polizistin versorgt. Derweil spielten vor der Elbphilharmonie Bands.

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