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Lärm und Störungen senken die Konzentration und die Produktivität im Großraumbüro

  • Von Andreas Knudsen
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Erfinder des Großraumbüros hatten hehre Ziele. Sie strebten nach Wissensteilung über die Person oder enge Abteilungsgrenzen einer Firma hinaus, nach besserer Vernetzung und Zusammenarbeit. Die betroffenen Büroarbeiter erleben oft eine andere Wirklichkeit mit konstantem Lärm im Hintergrund, Telefongesprächen oder einfach nur der Unterhaltung vom Nachbarschreibtisch und ständige Unterbrechungen oder Ablenkungen durch vorbei eilende Kollegen oder Gäste. Ganz zu schweigen davon, dass sich die persönlichen Wünsche nach Belüftung, Raumtemperatur oder Licht oftmals nicht im Einklang mit den Standards im Großraumbüro befinden.

Die Arbeitsverhältnisse in solchen Büros wurden kürzlich in Dänemark erneut untersucht und dabei 1228 Personen befragt, die Erfahrung in kleinen sowie großen Räumen besitzen. Obwohl über die Hälfte von ihnen bestätigt, dass der Wissensfluss erleichtert wird, wenn man im gleichen Raum sitzt, würde die große Mehrheit von ihnen die Arbeit in einem kleinen, abgegrenzten Büro vorziehen. Die geschilderten Nachteile wiegen in ihren Augen deutlich schwerer als die Vorteile, die vom Arbeitgeber angestrebt und erhofft werden. Die Konzentration leidet unter den unvermeidlichen Ablenkungen und dem höheren Lärmpegel mehr als der Arbeit zuträglich ist. Falls die Möglichkeit besteht, ziehen viele Mitarbeiter es vor, schwierige Aufgaben mitzunehmen und in einem Hausarbeitstag oder in den stillen Stunden vor oder nach der eigentlichen Arbeitszeit zu lösen. Geo Clausen, der sich an der Technischen Universität Dänemark mit Forschungen zu Innenklima und Arbeitsverhältnissen beschäftigt, bestätigt diese individuellen Erfahrungen. »Nur wenige Aufgaben passen wirklich zu einem Großraumbüro. Eigentlich ist es nur dort geeignet, wo viele Informationen frei fließen müssen,« so Clausen.

Auch bei der dänischen HK-Gewerkschaft, die über 100 000 Büroangestellte organisiert, kennt man diese Probleme des Büroalltags. »Ob eine große Bürolandschaft zu den Aufgaben und den Mitarbeitern passt, hängt ganz entscheidend von den Aufgaben ab, die zu lösen sind,« bestätigt die Koordinatorin für Arbeitssicherheit, Nanna Sars Schewitsch, und forderte die Arbeitgeber auf, das Problem ernster zu nehmen.

Viele Büroarbeiter hegen den Verdacht, dass es ihren Firmen mehr um billige Räume als um die postulierten Vorteile geht. Die befragten Arbeitgeber wiesen dies in der Regel zurück. Eingeräumt wurde jedoch gern, dass mehr zur Verbesserung der Arbeitsverhältnisse getan werden kann. Als Beispiele wurden Zwischenwände, Polsterungen oder weißer Lärm genannt. Unter dem letzten Begriff versteht man die Ausstrahlung eines konstanten Summton auf einer bestimmten Frequenz über Lautsprecher. Das neutralisiert andere Geräusche. Angewendet wird das beispielsweise im Callcenter des Versicherungskonzerns Topdanmark, wo 900 Mitarbeiter in einem Saal arbeiten.

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