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Jubiläumskomplott mit Smetana und Dvorák

»Jahr der Tschechischen Musik« - Schirmherr Simon Rattle und die Berliner Philharmoniker konzertieren

Die Tschechen haben eine höchst reichhaltige Musikkultur, darunter mehrere Komponisten von Weltrang, hervorgebracht. Diesen Sachverhalt will unser Nachbarland europaweit ins Bewusstsein rücken, indem es 2014 zum »Jahr der Tschechischen Musik« erklärt hat. Opern- und Konzerthäuser, Medien und Tourismusämter des ganzen Landes sitzen mit im Boot. Initiator ist das Kulturministerium, das die Veranstaltungsreihe mit umgerechnet rund 1,8 Millionen Euro fördert. Organisiert wird das Ganze vom Tschechischen Zentrum, das für die Kulturförderung im In- und Ausland zuständig ist.

Die Internet-Datenbank verzeichnet Hunderte von Veranstaltungen. Den roten Faden im Festjahr bilden rund sechzig Jahrestage, darunter von Dvorák, Smetana, Janácek und Martinu. Die Bandbreite der Jubiläumsfeiern reicht weiterhin von dem Barockmeister Jan Dismas Zelenka bis zu dem Spätromantiker Josef Suk; von Verdis Sopranmuse Teresa Stolz bis zu dem Dirigenten Rafael Kubelík; vom Prager Sinfonieorchester bis zum Nationaltheater Brno. Der Abschluss des Festjahres wird am 17. Dezember in einer Gala mit internationalen Solisten und Mitgliedern tschechischer Profi-Orchester in der Prag-Arena gefeiert.

Auch die Festivals machen mit. Beim »Prager Frühling«, der noch bis zum 3. Juni läuft, werden mehr tschechische Werke als sonst aufgeführt; zudem hat man einen Kammermusik-Schwerpunkt eingeführt. Das Festival »Dvorákova Praha« gräbt Mitte September Dvoráks deutschsprachige, so gut wie nie aufgeführte Jugendoper »Alfred« aus.

Das »Jahr der Tschechischen Musik« findet alle zehn Jahre statt und endet stets mit der Ziffer vier - da ballen sich zufällig die Jubiläen mehrerer tschechischer Komponisten. Anlass für den ersten Durchgang 1924 war der 100. Geburtstag Smetanas. Die Leitung übernahm damals Janácek, der dann selbst 1954 anlässlich seines 100. Geburtstages geehrt wurde.

Stets spiegelte die Veranstaltungsreihe die Zeitgeschichte wider. Das Jahr 1974 stand im Zeichen einer kulturpolitischen Entspannung nach dem Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen sechs Jahre zuvor. In den nachsozialistischen Wirren 1994 musste das Musikjahr ohne staatliche Unterstützung auskommen. Zehn Jahre später trat das Land ausgerechnet am 1. Mai, dem 100. Todestag Dvoráks, der EU bei.

Was aber verstehen die Organisatoren in Prag unter »tschechischer Musik«? Eine simple Antwort wäre schwerlich zu formulieren - angesichts eines Territoriums, das vielfältige Grenzverschiebungen erlebte und von unterschiedlichen ethnischen Gruppen besiedelt war. Das »Jahr der Tschechischen Musik« wird daher von einem interdisziplinären Forschungsprojekt zu diesem Thema begleitet.

»Für mich ist eine genaue Definition nicht so wichtig«, sagt Jirí Belohlávek, Chef der Tschechischen Philharmonie. »Entscheidend scheint mir, dass unsere Kunstmusik ihre Wurzeln in der Folklore hat und sicher auch von der tschechischen Sprache beeinflusst ist.« Der Dirigent und sein Orchester haben aus Anlass des Musikjahres ein Großprojekt gestemmt: Ende Juni erscheint bei Decca ihre Einspielung sämtlicher Sinfonien und Konzerte von Dvorák.

In das Festjahr haben sich auch eine Reihe deutscher Orchester und Opernhäuser eingeklinkt, indem sie tschechisches Repertoire aufführen. Mit dabei sind auch die Berliner Philharmoniker - schließlich hat deren Chef Simon Rattle zusammen mit seiner Frau, der tschechischen Mezzosopranistin Magdalena Kožená, die künstlerische Schirmherrschaft für das »Jahr der Tschechischen Musik« übernommen. Ab dem 24. Mai führt das Orchester in der Berliner Philharmonie Musik von Smetana, Martinu und Dvorák unter dem polnischen Nachwuchsdirigenten Krzysztof Urbanski auf. Die drei Konzerte sind ausverkauft, werden aber online in der Digital Hall der Berliner Philharmoniker übertragen.

www.digitalconcerthall.com www.yearofczechmusic.cz

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