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Syngenta muss einpacken

Kampagne gegen genveränderte Zuckerrüben feiert Erfolg gegen Agrarchemiekonzern

  • Von John Dyer, Boston
  • Lesedauer: 3 Min.
Zwei Counties (Landkreise) im US-Bundesstaat Oregon haben den Anbau von genveränderten Pflanzen verboten. Betroffen sind genveränderte Zuckerrüben des Agrarkonzerns Syngenta.

Die Farmer von Oregon treten gegen einen der ganz Großen in der globalen Agrarbranche an. Der Schweizer Landwirtschaftskonzern Syngenta, Hauptkonkurrent des US-amerikanischen Riesen Monsanto, darf in zwei Counties von Oregon keine genveränderten Pflanzen mehr züchten. Das lokale Verbot wurde in Volksabstimmungen in Jackson County und dem benachbarten Josephine County beschlossen.

Syngenta-Sprecher Paul Minehart versicherte gegenüber der Zeitung »The Oregonian«: »Wenn wir dort keine genveränderten Pflanzen mehr züchten oder anbauen dürfen, dann machen wir das nicht.« Man halte sich an die Gesetze. Der Konzern aus Basel hatte im südlichen Oregon genveränderte Zuckerrüben angebaut, die gegen Unkrautvernichtungsmittel resistent sind. Die örtlichen Farmer befürchteten, ihre traditionellen Rüben könnten sich mit den Genrüben kreuzen.

Vor zwei Jahren hatten die Farmer von Jackson County mit ihrem Feldzug gegen die großen Agrarfirmen begonnen. Sie wollten ein Anbauverbot erreichen. Syngenta, DuPont Pioneer, Monsanto und andere ließen sich eine Gegenkampagne angeblich eine Million Dollar (750 000 Euro) kosten. Offenbar vergeblich, denn am 20. Mai votierten die 120 000 Stimmberechtigten im Jackson County mit 66 Prozent und im Josephine County mit 58 Prozent für das Verbot, genveränderte Pflanzen anzubauen. In den USA werden diese als GMO (genetically modified organisms) bezeichnet, als genveränderte Organismen.

»Wir haben gegen die mächtigsten und einflussreichsten Agrarchemiefirmen der Welt gekämpft und wir haben gewonnen«, freute sich Farmerin Elise Higley. Andere waren rabiater. So wurden im vergangenen Juni im Jackson County 6500 Zuckerrüben auf Feldern von Syngenta zerstört.

Chuck Burr, Präsident der Saatguthersteller im südlichen Oregon, verwies darauf, dass unter den Abstimmenden viele gewesen seien, deren Familien seit Generationen Obst und Gemüse anbauen. »Die wussten Bescheid. Die Gegner haben viele Dollars ausgegeben, konnten die Leute aber nicht überzeugen.« Er erwarte nun, dass sich andere Saatguthersteller in den so geschützten Anbaugebieten in den beiden Landkreisen niederlassen werden.

Im Oregon Farm Bureau, dem Bauernverband des Bundesstaates, sieht man die Dinge anders. Dessen Präsident Barry Bushue bezeichnete die Kampagne der Gentechnikgegner als verleumderisch. »Bedauerliche Ideologie hat im Jackson County fundierte Wissenschaft und gesunden Menschenverstand besiegt. Diese Abstimmung ist vorbei, die Debatte nicht.« Er werde das Recht der Farmer verteidigen, die selber entscheiden wollten, was sie anbauen.

Oregons Gouverneur John Kitzhaber hatte schon im vergangenen Jahr ein Gesetz unterzeichnet, das lokale Abstimmungen über das Verbot des Anbaus genveränderter Pflanzen verbietet. Die Referenden in den beiden Counties waren allerdings schon angesetzt und durften noch stattfinden. Der Demokrat Kitzhaber will einen Flickenteppich mit unterschiedlichen Regelungen von Bezirk zu Bezirk in Oregon verhindern. Er will eine im ganzen Bundesstaat einheitliche Regelung.

In den Bundesstaaten Kalifornien, Hawaii und Washington sind schon lokale GMO-Verbote verhängt worden. Die dortigen Wahlberechtigten sprachen sich allerdings gegen eine Kennzeichnungspflicht für genveränderte Lebensmittel aus. Am Wochenende forderten Demonstranten in Portland dagegen eine solche Auszeichnungspflicht für Oregon.

Das Verbot im Jackson County wird erst in einem Jahr wirksam. Im Bezirk schätzt man, dass allein die Kontrolle zur Durchsetzung des Verbots jährlich rund 219 000 Dollar kosten wird.

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