Diese Website verwendet Cookies. Wir können damit die Seitennutzung auswerten, um nutzungsbasiert redaktionelle Inhalte und Werbung anzuzeigen. Mit der Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Unsere Datenschutzhinweise.
Werbung

Rente mit 63 teurer als geplant

Grüner Rentenexperte rechnet mit einer Milliarde Euro zusätzlich für freiwillig Versicherte

Das Rentenpaket wird kostspieliger als bislang bekannt. Denn auch freiwillig Versicherte dürfen ab 1. Juli mit 63 in den Ruhestand. Die Zeche dafür zahlen allerdings die Rentner selbst.

Offenbar wird selbst der Bundesregierung erst jetzt klar, wie viele Menschen tatsächlich von der Rente mit 63 profitieren. Das offenbart die Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Markus Kurth (Grüne), aus der die »Süddeutsche Zeitung« am Freitag zitierte. Demnach kommen zu den etwa 200 000 Arbeitnehmern, die in diesem Jahr die Regelungen zur Rente mit 63 nutzen, noch einmal bis zu 40 000 freiwillig Versicherte hinzu. Ab 1. Juli kann jeder abschlagsfrei in Rente gehen, der mindestens 45 Beitragsjahre vorweisen kann. Zeiten kurzzeitiger Erwerbslosigkeit, in denen ALG I bezogen wurde, sollen dabei berücksichtigt werden. Dasselbe gilt auch für Zeiten einer freiwilligen Beitragszahlung, wenn diese mindestens 18 Jahre lang erfolgte. Davon profitieren etwa Handwerker und Selbstständige.

Die Bundesregierung vermutet, dass »etwa 40 000 freiwillig Versicherte unmittelbar und in den Folgejahren jeweils bis zu 20 000 freiwillig Versicherte jährlich« die Rente mit 63 in Anspruch nehmen werden. Dazu zählen auch jene, die nur den monatlichen Mindestbeitrag von derzeit knapp 85 Euro abführen. Im Jahre 2001 lag die Untergrenze sogar noch niedriger bei rund 60 Euro.

Das schmälert natürlich die Rentenhöhe, hat aber trotzdem Auswirkungen: Insgesamt rechnet die Bundesregierung mit Kosten von 7 Milliarden Euro bis Ende 2017. Davon entfällt ein Großteil auf die Pflichtversicherten. Laut »Süddeutscher Zeitung« geht der Grüne Rentenexperte Markus Kurth davon aus, dass die freiwillig Versicherten bis 2017 mit etwa einer Milliarde Euro zu Buche schlagen könnten.

Im Bundesarbeitsministerium hingegen kalkuliert man maximal 750 Millionen Euro ein, wie ein Pressesprecher gegenüber »nd« betonte. Die Zusatzkosten seien »im Rahmen des Systems finanzierbar«, so der Sprecher. Ohnehin handele es sich bei den 40 000 »um eine absolute Obergrenze«. Zudem hätten viele der freiwillig Versicherten kaum ein Interesse, vorzeitig in Rente zu gehen, »da sie in der Regel nur den Mindestbeitrag zahlen«. Demzufolge seien die Rentenansprüche auch nicht so hoch, dass von ihnen »eine hohe Anreizwirkung ausgeht«, unterstrich der Sprecher. Das heißt: Für viele lohnt sich die Sache nicht, weil ihre Rente zu niedrig ist. Trotzdem bringt die erst im letzten Moment ins Gesetz aufgenommene Gruppe der freiwillig Versicherten die bisherige Zahlenarithmetik der Großen Koalition durcheinander. Bislang kalkulierte man für dieses Jahr mit 200 000 Menschen, die vorzeitig in Rente gehen würden. Wobei 150 000 ohnehin aufhören wollten und dafür auch Abschläge hingenommen hätten. Die restlichen 50 000 sind quasi Kurzentschlossene, die allein wegen der neuen Regelungen vorzeitig die Segel streichen. Hinzu kommen nun also noch einmal 40 000 Neu-Rentner.

Die Zeche zahlen die Rentner: In einer Antwort auf eine Anfrage der Linksfraktion teilte die Regierung mit, dass das Rentenpaket den Rentenwert bereits bis 2019 um 1,0 Prozent und bis 2024 um 1,5 Prozent drücken wird. »Das Rentenpaket wird in Wirklichkeit von den Rentnern bezahlt. 10 Millionen profitieren, 50 Millionen zahlen drauf. Das ist kein guter Deal, sondern ein gewaltiger Trickbetrug«, kritisierte Linksparteichef Bernd Riexinger. Kommentar Seite 2

Dieser Artikel ist wichtig! Sichere diesen Journalismus!

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen: Auf Grund der Coronakrise und dem damit weitgehend lahmgelegten öffentlichen Leben haben wir uns entschieden, zeitlich begrenzt die gesamten Inhalte unserer Internetpräsenz für alle Menschen kostenlos zugänglich zu machen. Dennoch benötigen wir finanzielle Mittel, um weiter für sie berichten zu können.

Helfen Sie mit, unseren Journalismus auch in Zukunft möglich zu machen! Jetzt mit wenigen Klicks unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal
  • Sofortüberweisung

Solidarisches Berlin und Brandenburg

Corona ist nicht nur eine Gesundheitskrise. Es ist auch eine Krise des Sozialen. Wir beobachten alle sozialen und sozioökonomischen Entwicklung in der Hauptstadtregion, die sich aus der Verbreitung des Coronavirus ergeben.

Zu allen Artikeln