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Discountermodell kommt nicht an

Spanische Handelskette Dia verlässt Frankreich / Für Filialen und Personal gibt es bereits Interessenten

  • Von Ralf Klingsieck, Paris
  • Lesedauer: 2 Min.
Die Franzosen kaufen nicht gern beim Discounter. Aus den sinkenden Umsatzzahlen zieht die Handelskette Dia nun die Konsequenz.

Die spanische Kette Dia, mit weltweit 7328 Läden und 11,5 Milliarden Euro Umsatz nach Lidl und Aldi die Nummer drei auf dem Discountmarkt, streicht in Frankreich die Segel. An den meisten der zum Verkauf stehenden 865 Läden sind die französischen Ketten Carrefour und Casino interessiert. Laut Medienberichten bieten sie zwischen 150 und 200 Millionen Euro. Carrefour hatte sich erst vor drei Jahren von Dia getrennt.

Da die französischen Gesetze über die Eröffnung neuer Läden oder gar Supermärkte restriktiv sind, sind die Dia-Standorte attraktiv für andere Ketten. Viele dürften mit Personal bald die Marke wechseln - zur Erleichterung der meisten der 7000 französischen Dia-Mitarbeiter. Ungewiss ist aber das Schicksal der 200 bis 250 Läden, die als unrentabel gelten, und deren 1500 bis 2000 Angestellten. Auch 1500 Mitarbeiter der Dia-Frankreich-Zentrale und ihrer Lager müssen sich Sorgen um die Zukunft machen.

Dia ist Opfer wachsender Abneigung französischer Kunden gegenüber Discountern, mit der auch Lidl und Aldi konfrontiert sind. Der Anteil der Discounter am Einzelhandel sank 2013 auf 13 Prozent - 2009 hatte er mit 16 Prozent sein Hoch. Rund 4500 Discounter und Supermärkte gibt es in Frankreich. Am besten steht noch Lidl da mit 4,6 Prozent Marktanteil, gefolgt von Leader Price (2,4 Prozent), Aldi (2,3 Prozent), Dia (1,6 Prozent) und Netto (0,8 Prozent). Der Umsatz geht bei allen zurück, bei Dia brach er 2013 um 11 Prozent ein.

Noch 2009 hatten Marktexperten dem Discountmodell in Frankreich einen Marktanteil von 25 Prozent vorausgesagt. Der seinerzeitige Präsident Nicolas Sarkozy änderte sogar die Gesetze, um den Discountern den Marktauftritt zu erleichtern. Doch weder die Experten noch die angetretenen in- und ausländischen Marken hatten mit der Widerstandskraft und dem Innovationsvermögen der führenden Handelsketten gerechnet, die über langjährige Erfahrung verfügen.

Die Discounter mit ihrem begrenzten Angebot und der spartanischen Warenpräsentation hatten es da schwer. Vor allem jedoch waren die Discounter kaum billiger als die namhaften Ketten. Mit möglichst niedrigen Preisen machen sich Carre- four, Casino, Auchan, Leclerc, Sys- tème U oder Intermarché vor allem untereinander Konkurrenz.

Hinzu kommt, dass Frankreich einen Boom des Drive-Modells erlebt, bei dem man per Internet bestellt und dann per Auto die Waren abholt. Heute gibt es 2200 Drive-Schalter, für die nächsten zwölf Monate sind weitere 1000 geplant. Das Modell ist derzeit noch nicht für alle Betreiber rentabel, aber keine große Handelsmarke kann es sich leisten, nicht mitzumachen. Die Discountmarken sind allerdings wegen der Zusatzkosten auf diesem Geschäftsfeld gar nicht erst angetreten.

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