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Alles auf Anfang

Volkswerft Stralsund will mit dem Bau von Offshore-Plattformen beginnen

  • Von Martina Rathke, Stralsund
  • Lesedauer: 3 Min.
Nach der Insolvenz der P+S-Werften und dem Verkauf an Nordic will die Volkswerft Stralsund wieder in den maritimen Markt. Zunächst mit Offshore-Plattformen, dann mit Schiffen.

Auf der Stralsunder Volkswerft sollen nach dem Verkauf an Nordic Yards zunächst Offshore-Plattformen für Windparks gebaut werden. Derzeit bearbeite Nordic Yards zehn Projekte für AC-Konverterplattformen, sagte Nordic Yards-Geschäftsführer Jürgen Wollny am Montag bei der offiziellen Übergabe der Werft nach der Insolvenz. Nordic sei zuversichtlich, aus diesem Segment Aufträge akquirieren und im Herbst mit dem Bau beginnen zu können. Während in der Nordsee die Netzanbindung in der Regel über Gleichstrom (DC/engl.: direct current) erfolgt, wird in der Ostsee Drehstrom (AC/engl.: alternating current) angewandt. Mit ihrer Lage an der Ostsee hätten die Nordic-Werften einen Standortvorteil für den Bau dieser Plattformen, sagte Wollny. Für schnelle Arbeit soll aber der Reparaturbereich sorgen, den Nordic mit der Werft übernommen hatte. Derzeit lägen zwei Schiffe im Dock. Ein weiteres Angebot sei abgegeben worden.

Die Stralsunder Volkswerft mit einst 1250 Mitarbeitern war zum 1. Juni und damit 21 Monate nach der Insolvenz für fünf Millionen Euro an Nordic verkauft worden. Bis Ende des Jahres garantiert der russische Werften-Eigner Witali Jussufow die Zahl von 250 Mitarbeitern. Derzeit sind es 91, darunter vorwiegend Konstrukteure. Sie reisen am Donnerstag nach Warnemünde, um sich am dortigen Nordic-Standort über den Plattformen-Bau zu informieren. Weitere 250 Mitarbeiter sollen bis Ende 2016 in Stralsund beschäftigt sein. Jussufow gehören mit Wismar, Warnemünde und Stralsund nun drei der vier Großwerften in Mecklenburg-Vorpommern.

Auch der Schiffbau soll wieder eine Rolle auf der Volkswerft spielen. Am Standort Wismar werde derzeit ein Windturbinenspezialschiff zur Wartung von Offshore-Anlagen während der 30-jährigen Betriebsphase gebaut. »Ein völlig neuer Schiffstyp, an den bislang kaum jemand gedacht hat«, sagte Wollny. Das seien Potenziale auch für die Volkswerft, »die auch von den Abmaßen der Werft hervorragend passen.« Weitere Möglichkeiten gebe es im Öl- und Gas-Offshore-Bereich. Russland sei dabei einer der Kernmärkte. »Die Volkswerft hat für Russland die Expertise im Bau von Fischereischiffen und im Bereich Oil/Gas«, sagte Wollny. Ziel könnte es sein, in Stralsund Offshore-Schiffe mit Eisbrecherfunktion zu bauen - etwa für den Einsatz im Nordpolarmeer.

Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann bezeichnete den Verkaufsprozess in den vergangen zwei Jahren als »mühsam«, aber letztlich erfolgreich. Er sei froh, dass beide P+S-Werften wieder am Markt seien. Die Schwesterwerft in Wolgast war zum Mai 2013 an die Bremer Lürssen-Gruppe verkauft worden. Mit dem Verkauf der Stralsunder Werft ist die Arbeit der Insolvenzverwaltung noch nicht abgeschlossen. Die aktive Phase dauere - ausgenommen der seit Ende 2013 anhängigen Klage der Hegemann-Gruppe - voraussichtlich noch anderthalb bis zwei Jahre.

Gläubiger, deren Forderungen akzeptiert wurden, können mit einer Quote im niedrigen einstelligen Prozentbereich rechnen, wie Brinkmann sagte. Rund 650 Millionen Euro wurden früheren Angaben zufolge von der Insolvenzverwaltung als Gläubigerforderungen anerkannt. Derzeit gebe es 12,5 Millionen Euro auf dem P+S-Konto, sagte Brinkmann. Zum Verkauf stünden noch Grundstücke in Wolgast und in Stralsund sowie das markante Hochhaus auf dem Stralsunder Werftengelände.

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