Oh, wie klein ist der Panama-Kanal

Wichtigster Schifffahrtsweg bekommt Probleme

Die für den globalen Warenverkehr wichtigste Schifffahrtsstraße wird Mitte August 100 Jahre alt: der Panama-Kanal. Er verbindet in Mittelamerika den Pazifik mit dem Atlantik und erspart Containerschiffen und Tankern den mehr als 10 000 Kilometer langen Weg um ganz Südamerika herum.

Seine Bedeutung wird schon durch die Tatsache deutlich, dass sich die Werften und Reedereien dieser Welt auf eine eigens für diesen Kanal entworfene Schiffsklasse geeinigt haben: Panamax. Deren Ausmaße richten sich nach den Vorgaben der für den Kanal zuständigen Behörde Panamas: Schiffe dürfen maximal 294,3 Meter lang und 32,3 Meter breit sein, bei einem Süßwasser-Tiefgang von 12,04 Meter - sonst passen sie nicht durch die Schleusen.

Noch etwas unterstreicht die Bedeutung der Wasserstraße: Nicht etwa hat der Staat Panama einen Kanal, sondern der Staat wurde für diesen Kanal geschaffen. Im Jahr 1903 spaltete sich die 73 000 Quadratkilometer kleine Region in Mittelamerika mit Unterstützung der USA von Kolumbien ab. Kurz darauf wurde der Vertrag unterzeichnet, der es den USA erlaubte, den Kanal zu bauen und die Hoheitsrechte für die Zone unmittelbar um den Kanal zu beanspruchen. Erst zum Millenniums-Jahreswechsel 2000 ging er an den Staat Panama über.

Der Kanalbau stand vor großen technischen Herausforderungen, an denen zunächst ein französisches Vorhaben scheiterte. Anders als beim 1869 eröffneten Suez-Kanal muss auf dem 82 Kilometer langen Weg durch die Landenge von Panama ein Höhenunterschied von 26 Metern überwunden werden. Zu diesem Zweck wurden von US-amerikanischen Ingenieuren drei riesige Schleusen entworfen, seiner Zeit die größten Betonbauten der Welt.

Selbst diese gigantischen Dimensionen haben sich im Zuge der Expansion des Welthandels als zu klein entpuppt. Können Schiffe der Panamax-Klasse maximal 4600 Standardcontainer (TEU) laden, befahren mittlerweile Giganten mit mehr als 15 000 TEU an Bord die Weltmeere. 2007 begannen deshalb Arbeiten zur Erweiterung der Schleusen und zur Veränderung der Zufahrtskanäle, die 2015 abgeschlossen sein sollen. Allerdings kam es zu Verzögerungen durch einen Finanzstreit zwischen Kanalbetreibergesellschaft und Baukonsortium.

In verschiedenen Ländern wurde bereits nach möglichen Alternativrouten gesucht. Aber einzig in Nicaragua sind diese Pläne über das Stadium von Gedankenspielen hinausgekommen.

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