Halbmutige Forschung

Uwe Kalbe über Studien, die Rassismus nicht beim Namen nennen

Man könnte glatt ins Schwärmen kommen: Die Ausländerfeindlichkeit in Deutschland hat einer Leipziger Studie zufolge abgenommen. Zugleich wachsen Misstrauen und Ablehnung, wenn es um konkrete Migrantenbilder geht. Es sind Roma, Moslems und allerlei vermeintlich gefährliche oder wenigstens unbequeme Zeitgenossen, die der durchschnittliche Deutsche offenbar mit neuem unversöhnlichen Misstrauen betrachtet. Die Forscher kommen, weil sie einen interessanten Zusammenhang in ihren Untersuchungen betrachtet haben, zu einer Erklärung. Wirtschaftliche Stärke macht die Menschen versöhnlicher, lässt ihre Toleranzgrenze steigen, stärkt die Demokratie insgesamt.

Das ist, wenngleich nicht überraschend, ein Fingerzeig darauf, dass es nicht ganz falsch ist, den Widerspruch zwischen Unten und Oben entscheidender für sozialen Frieden zu halten als Widersprüche zwischen Inländern und Ausländern, die es natürlich auch gibt. Die Forscher kommen zum Schluss, dass »Nützlichkeitsaspekte« und »Empfänglichkeit für die Ideologie der Ungleichwertigkeit« eine entscheidende Rolle spielen. Das ist nun allerdings ein alarmierender Befund. Er kann auch mit dem Begriff »Rassismus« beschrieben werden. Den vermeiden die Forscher, vielleicht, weil er Merkmal auch der offiziellen Regierungspolitik in Deutschland ist.

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