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Mit Bildung in die Tarifrunde

Die IG Metall Baden-Württemberg traf sich zur Bezirkskonferenz

  • Von Gesa Leesen, Leinfelden-
Echterdingen/Stuttgart
  • Lesedauer: 3 Min.
In der kommenden Tarifrunde im Herbst will die IG Metall Baden-Württemberg qualitative Themen in den Mittelpunkt stellen. Bezirksleiter Roman Zitzelsberger umriss nun die möglichen Forderungen.

Im Dezember vorigen Jahres wurde der damalige Chef der IG Metall Gaggenau - einer großen Verwaltungsstelle im Badischen - zum Bezirksleiter im traditionellen Pilotbezirk Baden-Württemberg befördert. Der 47-Jährige folgte damit Jörg Hofmann, der zum Vizevorsitzenden der Bundes-IG-Metall aufgestiegen war. Nun läuft Zitzelsberger sich warm für seine erste landesweite Tarifverhandlung. Angesichts der brummenden Konjunktur erwarten viele aktive Metaller ein ordentliches Plus in der Lohntüte. Der Tarifabschluss 2013 hatte Lohnzuwächse von 3,4 und 2,2 Prozent gebracht. Das fanden und finden manche Funktionäre zu bescheiden. Doch eine hohe Forderung erschwert erfahrungsgemäß die Tarifverhandlungen. Zitzelsberger kam den Erwartungen der Enttäuschten durchaus entgegen und erklärte: »Aus heutiger Sicht besteht kein Grund für besondere Zurückhaltung.« Schob allerdings einschränkend nach, dies gelte für den Fall, dass die Konjunkturprognosen positiv blieben.

Der Bezirksleiter lenkte den Blick vor allem auf inhaltliche Themen. Ganz oben auf der Agenda steht für die IG Metall die Weiterbildung. Die jüngste Beschäftigtenbefragung der Gewerkschaft hat ergeben, dass jeder zweite keine Fortbildungsmöglichkeiten hat. Unter den Ungelernten sind es sogar zwei Drittel. Wenn man dazu die Debatte um einen bestehenden beziehungsweise drohenden Fachkräftemangel sehe, müsse man sich fragen: »Wie kriegen wir das zusammen?«, so Zitzelsberger.

Ein weiteres großes Thema der Metaller ist die Altersteilzeit. Der dazu bestehende Tarifvertrag läuft 2016 aus, durch die abschlagsfreie Rente mit 63 haben sich zudem die Rahmenbedingungen verändert, also will die IG Metall neue Regelungen. Die Menschen hätten nach wie vor den Wunsch, früher und unter guten Bedingungen aus dem Arbeitsleben auszuscheiden, erklärte Zitzelsberger. Vor allem diejenigen, die schwer arbeiten. Ziele der anstehenden Tarifrunde könnten also sein, flexible Arbeitsübergänge zu regeln und die Weiterbildungsmöglichkeiten für An- und Ungelernte zu verbessern. Zitzelsberger: »Es deutet vieles darauf hin, dass wir das in den Mittelpunkt stellen.« Entschieden wird darüber Anfang Juli von der großen Tarifkonferenz. Anschließend wird der Vorstand eine Empfehlung abgeben.

Auch in punkto Landespolitik bewegt die IG Metall ein bildungspolitisches Thema: Die grün-rote Landesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag verabredet, auch in Baden-Württemberg endlich das Recht auf bezahlten Bildungsurlaub einzuführen. Doch nun streiten die Koalitionäre: Die Grünen wollen die Bildung auf berufliche Fortbildung beschränken und nehmen so Rücksicht auf den Arbeitgeberstandpunkt. Die SPD will politische Bildung und Fortbildung für Ehrenamtler einbeziehen. Das fordert auch die IG Metall. Die Konferenz beschloss einstimmig eine entsprechende Resolution. Dass Gewerkschaft und SPD hier an einem Strang ziehen, wurde durch das Grußwort des Vize-Ministerpräsidenten und Wirtschaftsministers Nils Schmid (SPD) deutlich. Er versprach, bis Jahresende das Gesetz auf den Weg zu bringen. Und Zitzelsberger mahnte die Grünen, sich zu bewegen. »Wir beobachten sehr genau, wer da bremst«, so das SPD-Mitglied. »Denen werden wir auf die Füße treten.«

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