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Ärger um Ausladung

Eklat zur Kieler Woche: Russische Fregatte erhält keine Besuchsgehnemigung

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In Schleswig-Holstein herrscht Unverständnis und Ärger über Frank-Walter Steinmeiers Auswärtiges Amt, das den traditionellen Besuch der russischen Marine verhindert.

Der Start der Kieler Woche am 21. Juni wird dieses Jahr von einem diplomatischen Eklat überschattet. Seit etlichen Jahren ist es eigentlich üblich, dass zu dem riesigen Segler-Volksfest mit internationalem Flair auch Marine-Verbände aus der ganzen Welt kommen. Die bereits vor langer Zeit eingeladene russische Lenkwaffenfregatte »Boiky« bekommt nun jedoch keine Besuchsgenehmigung vom zuständigen Auswärtigen Amt - die Ukraine-Krise und die global aufziehende politische Eiszeit werden nun auch in Schleswig-Holsteins Hauptstadt konkret spürbar.

Bei den Fest-Verantwortlichen im Kieler Rathaus stößt die Entscheidung auf allgemeines Unverständnis. Selbst der schleswig-holsteinische CDU-Bundestagsabgeordnete Ingo Gädechens spricht von einem »falschen Zeichen«. In der jetzigen Phase sollte alles vermieden werden, was die Atmosphäre verschlechtere, fügte der Verteidigungsexperte der Union hinzu. Schleswig-Holsteins FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki ist ebenfalls aufgebracht. Er fordert Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) und den SPD-Landesvorsitzenden Ralf Stegner auf, parteiintern bei Außenminister Frank-Walter Steinmeier zu intervenieren. Dieser verweist auf die am 1. April seitens des NATO-Rats vereinbarte Sanktionslinie, jegliche zivile und militärische Zusammenarbeit mit russischen Streitkräften einzustellen. Für Kubicki ist es geradezu aberwitzig, dass ein deutscher Astronaut aktuell mit einer russischen Rakete zur internationalen Raumstation ISS fliegen dürfe, während ein Freundschaftsbesuch eines russischen Schiffes bei der Kieler Woche abgesagt werde.

Vor 20 Jahren waren die russischen Marinesoldaten bei dem größten maritimen Volksfest im Ostseeraum erstmals in Kiel zu Besuch, ein Umstand, der sich in den vergangenen Jahren dann als selbstverständliche Geste der Völkerverständigung wiederholte. Das nun wieder ausgeladene Schiff ist das derzeit modernste aus der baltischen Flotte, wurde es doch erst im vergangenen Jahr in den Dienst gestellt. Zu der Fregatte gehören 150 Besatzungsmitglieder, die nun in ihrem Heimathafen Baltiysk bleiben. Für das traditionelle Happening in der Kieler Förde sind insgesamt 31 Schiffe aus 13 Nationen mit über 2000 Marinesoldaten angemeldet, darunter Einheiten und Verbände aus den USA, Algerien, Frankreich, Großbritannien, Niederlande, Belgien, Norwegen, Litauen, Estland und Polen.

Hans-Friedrich Möller von der Deutsch-Russischen-Gesellschaft in Kiel ist entsetzt, sieht in der Ausladung einen unverzeihlichen Affront. Propst Thomas Lienau-Becker hat mit einem Brief an Steinmeier protestiert. Auch Kiels Stadtpräsident Hans-Werner Tovar (SPD) reiht sich bei den zahlreichen Kritikern ein. Bei der Lokalpresse stapeln sich unterdessen erboste Leserkommentare.

Aufatmen dagegen bei den Organisatoren der Kieler Windjammerparade. Der fest eingeplante Großsegler »Kruzenshtern« hat sein Kommen bestätigt. Der gigantische Viermaster steht unter der Verantwortung des russischen Fischereiministeriums.

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