Hillary Clinton schon mitten im Wahlkampf

Die Memoiren der ehemaligen USA-Außenministerin zielen auf die Präsidentschaft 2016

  • Von Reiner Oschmann
  • Lesedauer: 3 Min.
Hillary Clinton hat sich in einem Interview zu ihrer neuen Autobiografie alle Türen für eine mögliche Bewerbung bei der nächsten Präsidentschaftswahl offen gelassen.

Hillary Clinton (66) - die frühere First Lady und Senatorin, später Wahlkampfgegnerin und schließlich Außenministerin des Präsidenten Barack Obama - steckt mitten im Wahlkampf. Sie will 2016 zurück ins Weiße Haus, als erste USA-Präsidentin. Das hat sie bisher nicht erklärt, doch alle ihre Auftritte sind darauf ausgerichtet. Die Handlungsreisende in eigener Sache, die pro Rede bis 200 000 Dollar erhält, tritt faktisch täglich als Kandidatin auf. Neues Beispiel sind die am Dienstag erschienenen Memoiren zu ihrer Zeit als Außenministerin. »Hard Choices« (»Entscheidungen«) ist nach »Gelebte Geschichte« aus dem Jahr 2003 bereits die zweite Autobiografie.

Zwei Millionen Vorbestellungen gibt es, große Fernsehauftritte sind terminiert, und mehrere Indiskretionen mit Auszügen haben das Feld beackert. Im Grunde beantwortet schon diese Kampagne die Frage nach ihrer Bewerbung. Eine der letzten Vorveröffentlichungen erfolgte im Fernsehsender CBS. Der gab vor, zufällig an Auszüge geraten zu sein. Was für ein Zufall, ist doch der Eigentümer des Verlages Simon & Schuster, in dem die Erinnerungen erscheinen, CBS!

Die Memoiren befassen sich mit den jüngsten sechs Jahren, von ihrer Vorwahlniederlage gegen Parteikollegen Obama bis zum Ende der Tätigkeit als Chefdiplomatin im Februar 2013. Das alles ist so zweitrangig wie viele Details ihrer Erinnerungen. Sie enthalten wenig Überraschendes. Entscheidend sind die Schlagzeilen um das Buch, das Schlaglicht auf die Autorin und die Botschaft, dass 2016 an dieser Frau keiner leicht vorbeikommen wird.

Bei den Demokraten haben andere Präsidentschaftsinteressenten Verzicht gelobt, sollte sie sich bewerben: Obamas Vize Joe Biden ebenso wie Senatorin Elizabeth Warren, die dieser Tage 65 wird und als Liebling des linken Flügels der Partei gilt. Geldsorgen kennt Clinton gleichfalls nicht, womit die Haupthürde einer US-amerikanischen Kandidatur entfällt. Seit Monaten bestehen vorsorglich agierende, mit ihr nicht direkt verbundene, aber wohl gelittene Vereine wie »Ready for Hillary« und »Priorities USA Action«. Ersterer hat schon sechs Millionen Dollar im Kasten, letztere sorgt sich um Großspenden.

Die republikanischen Gegner, die Hillary zum Lieblingsfeind erkoren haben, seit sie vor 20 Jahren eine Gesundheitsreform mit einer Krankenversicherung für jedermann betrieb, fahren zweigleisig. Sie suchen einen Widerpart mit Erfolgsaussicht gegen die bekannteste lebende Amerikanerin. Gleichzeitig werden neue Vorwürfe fabriziert, um Clintons Ruf zu ramponieren und ihre Kandidatur zu sabotieren. Eines der jüngsten Beispiele ist das Gerücht, u.a. von George W. Bushs Chefstrategen Karl Rove, Clinton leide seit einem Sturz Ende 2012 - womöglich! wahrscheinlich! mit Sicherheit! - an einer Hirnverletzung.

Von Entscheidungen in ihrer Ministerzeit abgesehen - ihre Falkenrolle im Syrienkonflikt, im Umgang mit den Taliban oder nach dem Mordanschlag auf das US-Konsulat 2012 im libyschen Bengasi - bezweckt die neue Veröffentlichung vor allem zweierlei: Hillary Clintons Selbstdarstellung als hart arbeitende, erfahrene Politikerin. Und das Bemühen, sich als nimmermüde, mitunter irrende (mit der Zustimmung zum Irakkrieg »habe ich einen Fehler gemacht«), aber stets wachsende und immer menschliche Person zu präsentieren, der man das Schicksal des Landes anvertrauen kann.

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