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»Auch Kroatien wird im Mittelpunkt stehen«

Trainer Niko Kovac und sein Bruder Robert als Assistent haben aus dem Nationalteam wieder einen unbequemen Gegner gemacht

  • Von Frank Hellmann, Praia do Forte
  • Lesedauer: 4 Min.

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Kroatiens Fußballer bestreiten am Donnerstag gegen Gastgeber Brasilien das Eröffnungsspiel der WM. Geführt werden sie vom ersten Trainer-Brüderpaar der Weltmeisterschaftsgeschichte.

Was den Deutschen ihr »Campo Bahia« ist den Kroaten ihr »Campo de Croatia«. In dem Ferienort Praia do Forte im Bundesstaat Bahia, eine Autostunde nördlich von Salvador, hat das kroatische Nationalteam bereits seit Dienstag vergangener Woche ihre Basis errichtet. Auch wenn wegen der hohen Temperaturen und Luftfeuchtigkeit das Vormittagstraining meist in die Abendstunden verlegt werden musste, gab es eine Menge Argumente für diese Wahl. Bloß weit weg vom Rummel der Millionenstadt Rio de Janeiro und ganz raus aus dem Moloch São Paulo, da ist Nationaltrainer Niko Kovac ganz bei Bundestrainer Joachim Löw.

Sein Auswahlkader, in dem mit dem nachnominierten Hamburger Milan Badelj nun acht aktuelle oder ehemalige Bundesligaspieler vereint sind, kann ein idyllisch gelegenes Kraftzentrum gut gebrauchen. Das WM-Eröffnungsspiel in São Paulo gegen Gastgeber Brasilien sei eine Ehre, versichert Kovac. »Es gibt doch für einen Fußballer kaum etwas Schöneres, als in einem Stadion, das nur so kochen wird, gegen den WM-Gastgeber spielen zu dürfen. Millionen, nein Milliarden, werden vor den Fernsehern zuschauen. Vielleicht nicht gerade unseretwegen, aber Kroatien wird auch im Mittelpunkt stehen.« Eine Woche verbleibt, dann geht es mitten im Amazonas-Dschungel in Manaus gegen Kamerun, vier Tage drauf im hitzigen Recife gegen Mexiko. »Das ist die größte Herausforderung in unserem noch jungen Trainerleben«, gesteht der 42-Jährige ein, dem sein zweieinhalb Jahre jüngerer Bruder Robert als Assistent dient.

Als unter dem starrsinnigen Igor Stimac die Qualifikation zu scheitern drohte, beförderte Verbandspräsident Davor Suker, der Deutschland-Schreck von der WM 1998, kurzerhand das in Berlin-Wedding geborene Brüderpaar, das zuvor für die U 21 zuständig war. Geschwister, die einst Weltpokalsieger mit dem FC Bayern wurden, können für ein Weltturnier nicht so schlecht sein. Und jeder hat selbst mehr als 80 Länderspiele für die »Vatreni« (die Feurigen) bestritten. Die Kovac’, die mit vielen Akteuren selbst noch auf dem Platz standen, verstehen ihre Rolle vor allem als Bindeglied und Ansprechpartner. »Man schaut sich wieder in die Augen. Das Vertrauen ist wieder hergestellt«, erzählt ein Insider.

Im Winter schaute das erste Trainer-Brüderpaar der WM-Geschichte im spanischen La Manga dem Dortmunder Fußballlehrer Jürgen Klopp über die Schulter, um sich Anregungen für die Alltagsarbeit einzuholen. »Ein kroatisches Sprichwort besagt, dass der Kopf von zu viel Wissen nicht wehtut, eher von zu wenig«, erklärt Niko Kovac. Der Ex-Bundesligaprofi, u. a. noch bei Hertha BSC, Leverkusen und dem Hamburger SV am Ball, macht keinen Hehl daraus, »dass ich einige typisch deutsche Elemente bei uns verankert habe.« Das Deutsche reinbringen und das Kroatische nicht verlieren - »wenn uns das gelingt, können wir sehr unbequem werden.«

Es gelang schon mal, in den Playoffs gegen Island (2:0, 0:0) nicht zu versagen, und der Trainer stellt gerne die »gute Mischung aus erfahrenen und jungen Spielern« heraus. Einerseits der hochbegabte Mateo Kovacic, erst 20 Jahre alt, und andererseits der Dauerbrenner Ivica Olic, fast 35. Dazwischen steht dann einer wie Mario Mandzukic, 28, der gegen Brasilien seine Rotsperre aus den Playoffs abbrummt und zur Unzeit verlauten ließ, er könne sich wegen seines Wechsels weg vom FC Bayern gar nicht richtig auf die Endrunde konzentrieren. Stehen sich die europaweit begehrten Ausnahmekicker, die vor allem Dinamo Zagreb regelmäßig hervorbringt, schon wieder selbst im Wege?

Denn eigentlich geht der von Kovac ausgegebene Leitspruch so: »Wenn wir als Mannschaft funktionieren, können wir unseren Gruppengegnern durchaus Probleme machen.« Gemeinhin ist den Kroaten, bei denen Linksverteidiger Danijel Pranjic verletzt ausfällt, ähnliches zuzutrauen wie bei der EM 2008, als die vom jungen Einpeitscher Slaven Bilic geführte Elf in der Vorrunde sogar die Deutschen schlug. Damals führte bereits ein blutjunger Blondschopf den Taktstock: Luka Modric. Heute darf der filigrane Feingeist von Real Madrid die Brust als Champions-League-Sieger ruhig breiter machen. Ihm zur Seite steht der gereifte Ivan Rakitic, der beim Europa-League-Gewinner FC Sevilla so stark auftrumpfte, dass der ehemalige Schalker von Real Madrid und dem FC Barcelona umgarnt wird.

Als Wortführer gilt indes Rechtsverteidiger Darijo Srna, der im Nationalteam wie im Verein bei Schachtjor Donezk die Kapitänsbinde trägt. Über internationale Erfahrung verfügen die meisten Spieler reichlich. Daheim blieb allerdings der hierzulande gut bekannte Josip Simunic, weil der Internationale Sportgerichtshof CAS die Langzeitsperre gegen den 36-Jährigen nicht aufhob, nachdem der Ex-Berliner und Ex- Hoffenheimer mit der WM-Qualifikation den Ustascha-Gruß »Za Dom Spremni!« (»Für die Heimat bereit«) ins Mikrofon gebrüllt hatte.

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