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Mein Vater, der »Hausneger«

  • Von Roberto De Lapuente
  • Lesedauer: 3 Min.

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In Deutschland nehmen Ressentiments gegen ethnische Gruppen zu. Und doch werden allgemein rechtsextreme Tendenzen weniger. So sieht es eine Studie der Uni Leipzig. Doch so paradox das klingt, ist das gar nicht.

»Aber bei Spaniern ist das doch was ganz anderes!« Wie oft habe ich diesen Satz gehört? Irgendwer schimpfte über Ausländer, über die Türkinnen und ihre Kopftücher, darüber, dass diese Leute sich »einfach zu viel herausnehmen« und wenn ich dann angesäuert sagte, dass ich ja selbst zur Hälfte Ausländer sei, dass mein Vater Spanier war, dann kam: »Spanier? Aber das ist doch was völlig anderes!«

Das war schon so, als ich noch ein Kind war. Ich lauschte manchem Gespräch zwischen meinem Vater und Personen aus dem bayerischen Teil meiner Familie und wenn dann einer von denen wieder mal die »Kopftuchweiber« angriff und nachlegte, dass man die ganzen ehemaligen Gastarbeiter nie hätte dauerhaft im Land behalten dürfen, dann schaute er im selben Moment meinen brodelnden Vater (einen ehemaligen spanischen Gastarbeiter) an und entkräftete: »Aba bei eich Spaniern is des wos andas.« Diese Entkräftungen gingen so weit, dass meine Großmutter, die ausländische Speisen nicht leiden konnte, weil die nämlich stinken und außerdem weil »des nix Gscheits is«, gleich nachschob: »Freilich mit Ausnahme vom spanischen Essen. Des schmeckt guat.«

Mir kommt das Resultat dieser Studie der Uni Leipzig also gar nicht so spanisch vor. Ich kenne dieses Ausspielen verschiedener Gruppen von Ausländern und Fremden sehr gut. Es machte einen großen Teil meiner Kindheit und Jugend aus, dieses Verhalten zur Kenntnis zu nehmen. Sympathisch waren mir solche »konzilianten Angriffe« damals schon nicht. Und einen Persilschein hätte ich einem, der über Türken und Jugoslawen herzieht, während er Spanier und Italiener als »von völlig anderem Schlag« lobte, schon seinerzeit nicht ausgestellt. Fremdenfeindlichkeit nimmt nicht ab, bloß weil man bestimmte Fremde anderen Fremden vorzieht.

Diese Unterteilung gehört zum Geschäft der Xenophobie. Es ist ihr spezielles »Teile und herrsche«: Teile die Ausländerfeindlichkeit in ethnische Gruppen und lass so das Ressentiment herrschen. Man kotzt sich aus, dass man »die Fremden« im Lande nicht leiden kann, sucht sich aber unter diesen Fremden auch gleich Gruppen, die man mit Lob protegiert, letztlich ins eigene Boot holt. So belegt man, dass man nicht grundsätzlich ausländerfeindlich oder rassistisch ist.

Das ist so eine Art »evolutionärer Trick«, mit dem die Xenophobie versucht, ihr Überleben zu sichern. Sie holt sich Verbündete im Lager derer, die sie eigentlich ablehnt. Mit dieser Methode wähnt man sich glaubwürdiger. So kann man als seriöser Bedenkenträger gelten und nicht als Vertreter extremer Positionen. Diesen Kniff kenne ich auch aus diversen Internetforen und aus den Kommentaren in Blogs und Online-Zeitungen. Da fängt der Ausländerhasser an, indem er zunächst mal erwähnt, dass er ausländische Freunde habe. Jugoslawen zum Beispiel, mit denen er sich häufig treffe und die immer höflich seien. Die sind also gar nicht das Problem, heißt es dann. Und nach diesen lieblichen Tönen legt er dann los mit der bekannten islamophoben Kakophonie. Wie kann ein solcher Mensch ausländerfeindlich sein und rechte Positionen vertreten?, fragt man sich dann. Er hat doch »den Jugoslawen«, der ihn reinwäscht.

Mein spanischer Vater war auch so einer, der die unterschwellige Ausländerfeindlichkeit reinwaschen durfte. Ein »Hausneger«, der den »Negern« als Beispiel für einen kultivierten und integrierten Ausländer dienen sollte. So paradox ist es also gar nicht, dass die Uni Leipzig nun einen Rückgang rechtsextremer Tendenzen bei gleichzeitiger Stärkung fremdenfeindlicher Neigungen festgestellt hat. Das ist der Normalzustand in Gesellschaften, die im strukturellen Rassismus darben.

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