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»Ich bin ein sportjournalistischer Zuarbeiter«

Ex-Fußballer Oliver Kahn über seine zweite Karriere im ZDF

Nach 20 Jahren Leistungssport wechselte Oliver Kahn zum Fernsehen. Seit 2008 kommentiert er Fußball im ZDF, die nächsten vier Wochen von Brasilien aus. Mit dem früheren Torwart der deutschen Fußballnationalmannschaft sprach Jan Freitag.

nd: Sie waren 20 Jahre Ihres Lebens Hochleistungssportler, bevor Sie zum Fernsehen gewechselt sind. Ab wann werden Sie mehr Sportjournalist als Ex-Fußballer sein?
Kahn: Schwer zu sagen, da ich keins von beiden wirklich bin. Ich begreife mich schon lange nicht mehr als Ex-Fußballer und noch lange nicht als Sportjournalist, höchstens sportjournalistischer Zuarbeiter. Mit Informationen ist der Zuschauer schließlich bis zum Abwinken überversorgt; deshalb versuche ich nur, sie ein bisschen besser einzuordnen. In unserer Gesellschaft geht es mir also eher darum, Wissen zu bewerten.

Hat man Sie dafür als Kenner der Materie eingekauft oder doch eher als prominentes Zugpferd?
Nur als prominenter Name würden Sie in der Branche nicht lange überleben; nee - man muss schon auch was liefern.

Und das trauen die Sender offenbar vor allem Ex-Bayern zu, so viele davon mittlerweile als Experten-Sidekicks tätig sind ...
Das hat aber eher damit zu tun, dass beim FC Bayern immer nationale und internationale Topleute gespielt haben, die viel von der Welt gesehen, hochklassig gespielt, also ein großes Bild vom Fußball im Kopf haben. Umso interessanter wäre es, für diesen Job jemand aus den Niederungen des Fußballs zu nehmen.

Der dann allerdings das Rampenlicht weniger gewohnt ist als Sie.
Aber auch für mich ist es nicht so einfach, zusätzlich zu den Länderspielen jetzt auch noch alle 14 Tage Champions League in einer ständigen Live-Situation vor vielen Millionen Menschen zu machen, die Dinge blitzschnell zu erfassen und mit dem richtigen Tonfall zu analysieren, ohne dass die Leute einschlafen. Das kann man nicht automatisch, nur weil man schon früher öfter mal vor der Kamera gestanden hat.

Was qualifiziert Sie dann zu diesen Job?
Mehrere Faktoren. Erstens die Erfahrung aus 14 Jahren FC Bayern, da gehörte die Kamera zum Alltag. Zweitens die Weiterentwicklung, also an eigenen Fehlern zu arbeiten, ohne sich überzuanalysieren. Außerdem gibt es noch eine gewisse Routine. Da helfen meine 15 bis 20 Vorträge im Jahr auch.

Können Sie Sportjournalismus denn schon so gut, dass Sie mal eine eigene Sendung machen oder ein Spiel kommentieren?
Ganz sicher nicht! Mittlerweile hab ich zwar so viel über den Fußball gelernt, worüber ich mir früher nie Gedanken gemacht hatte, dass mir ohne Fernsehen definitiv was fehlen würde. Die aktuelle Aufgabe macht mir aber vor allem Spaß - auch wenn sie mir 2008 auch helfen sollte, den Übergang in die Gegenwart zu schaffen, ohne gleich ganz den Stecker zu ziehen.

Kann man sechs Jahre später die Aufregung des Moderators und des Spielers vor einer WM vergleichen?
Nein, das sind völlig verschiedene Paar Schuhe. Schon weil sich meine Anspannung sofort auf den Bildschirm übertragen würde, gehe ich als Experte mit einer gewissen Lockerheit in so ein Turnier rein, was früher weniger einfach war. Aber das hat sich gebessert. Wenn ich verkrampft bin, kann ich nicht kreativ sein. Andererseits weiß ich genau, was in mir vorginge, wenn ich selber spielen würde, und das fühlt sich nicht immer positiv an.

Inwiefern?
Als ich 2010 mit Katrin Müller-Hohenstein das Finale Spanien gegen Holland moderiert habe, da kam mir auch das Finale von 2002 in Japan und Südkorea ins Gedächtnis...

Wo Sie den Ball vor Ronaldos Füße fallengelassen haben.
Sehen Sie! Das kam da auch bei mir wieder hoch. Andererseits ist es gut, dass ich das aktiv vor der Kamera aufarbeiten kann. Ich habe alles verarbeitet und gehe auch deshalb entspannt an diese Aufgaben ran, weil ich mit vielen Dingen meinen Frieden gefunden habe.

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