Gefangen im Paradies

Nach der Ankunft auf Lampedusa sind Flüchtlinge oft gezwungen, wie Sklaven zu arbeiten - ohne jede Möglichkeit zur Rückkehr

  • Von Marlene Göring
  • Lesedauer: ca. 3.0 Min.

Die Flucht ins bessere Leben ist »eine europäische Fantasie«: Viele Lampedusa-Flüchtlinge landen in den Slums Süditaliens. Der Ethnologe Gilles Reckinger besucht sie.

Hinter den Festungsmauern Europas wartet nicht das Paradies. Es warten kaputte Zelte, gegen den starken Winterregen mit Folien und Plastiktüten notdürftig verstärkt. Es warten Verachtung, schwere Arbeit und dann wieder Arbeitslosigkeit. Es wartet Hunger. Und Tod.

»So leben wir«, sagt der Mann hinter der Kamera immer wieder, während er sie durch das Camp trägt. Mehr Kommentar braucht es nicht. »Wir«, das sind fast nur Männer, zwischen 20 und 45, gekommen über das Meer, jetzt in einem der Slums rund um die kleine Stadt Rosarno in Süditalien. Manche von ihnen haben das Glück, statt in einem Zelt im »Hotel« zu wohnen, wie der Mann es nennt: verfallene Ruinen, nicht größer als ein Elektrohäuschen. Das Dach ist kaputt, sodass im Innern doch wieder Zelte stehen.

Die Kamera hat der Mann von Gilles Reckinger bekommen. Seit 2012 kommt der österreichische Ethnologe nach Rosarno, dokumentiert das Leben der Flüchtlinge und bittet sie...

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