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Keine Angst vor Cindy

Studie zeigt: Hurrikane mit weiblichen Namen werden oft unterschätzt.

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Es gehört zu den erstaunlichen Leistungen der Wissenschaft, dass sie Zusammenhänge zwischen Dingen herstellt, die man auf den ersten Blick nicht vermuten würde. Oft freilich handelt es sich dabei nur um sogenannte Korrelationen. Das heißt, zwei oder mehr Phänomene treten gehäuft gleichzeitig auf, ohne dass deshalb notwendigerweise eine kausale Beziehung zwischen ihnen bestünde.

Betrachten wir als Beispiel hierfür die statistisch belegte Aussage: Je weniger Haare Männer auf dem Kopf haben, desto mehr Geld verdienen sie. Zu fragen, was hier Ursache bzw. Wirkung ist, wäre natürlich unsinnig. Vielmehr wird der Zusammenhang zwischen der Haarfülle eines Mannes und seinem Einkommen über eine sogenannte Hintergrundvariable vermittelt, in diesem Fall das Alter: Männer mit schwindender Haarpracht sind in der Regel älter und bekommen mithin ein höheres Gehalt.

Einen Zusammenhang, der fast schon esoterisch anmutet, hat jetzt ein Forscherteam um Kiju Jung von der University of Illinois in Chicago enthüllt. Danach ist der Name eines Hurrikans mit entscheidend dafür, wie viele Todesopfer er fordert. Genauer gesagt: Wird einem Hurrikan in der Entstehungsphase ein Frauenname verliehen, verläuft er im Schnitt verlustreicher als ein Hurrikan, der einen männlichen Namen bekam.

So jedenfalls lautet das Ergebnis einer Untersuchung von 92 atlantischen Hurrikanen, die von 1950 bis 2012 die USA heimsuchten. 49 davon wurden als schwer eingestuft; sie verursachten jeweils Sachschäden von über 1,5 Milliarden Dollar. Trug ein schwerer Hurrikan einen weiblichen Namen, forderte er durchschnittlich 43 Todesopfer, teilen die Forscher im Fachblatt »Proceedings of the National Academy of Sciences« (doi: 10.1073/pnas.1402786111) mit. Bei einem männlichen Namen waren es dagegen nur rund 23. Und das, obwohl die Hurrikane in etwa die gleiche Intensität hatten.

Wie ist das zu erklären? Der Name eines Wirbelsturms stelle zwar eine irrelevante Information dar, doch die werde unbewusst genutzt, sagt Jungs Kollegin Sharon Shavitt: »Das führt dazu, dass ›weibliche Hurrikane‹, vor allem die mit sehr femininen Namen wie Belle oder Cindy, sanfter und weniger heftig erscheinen.« Folglich seien Menschen bei einem Hurrikan namens »Cindy« weniger schnell bereit, einem Evakuierungsaufruf zu folgen, als bei einem Hurrikan namens »George«. Es sind also letztlich geschlechtliche Rollenklischees, die bei den registrierten Korrelationen als vermittelnde Hintergrundvariablen fungieren. Zwar blieb aus Gründen der Statistik der verheerende Hurrikan »Katrina« (2005) in der Studie unberücksichtigt. Doch es fällt auf, dass auch er einen Frauennamen trug.

Um ihre Hypothese zu überprüfen, führten die Forscher zusätzlich eine Befragung durch. Dabei legten sie 346 Frauen und Männern eine Liste mit jeweils fünf weiblich bzw. männlich benannten Hurrikanen vor und baten sie, die Gefährlichkeit der Stürme vorherzusagen. Das Ergebnis war eindeutig: Sowohl die Männer als auch die Frauen hielten weiblich benannte Wirbelstürme zumeist für weniger bedrohlich als männlich benannte. Aus der Studie geht weiter hervor, dass die Mehrzahl der befragten Probanden bei einem Hurrikan mit Männernamen ihr Haus deutlich früher verlassen bzw. aufgeben würden als bei einem Sturm mit Frauennamen. Selbst Personen, die nach eigener Aussage Stereotype grundsätzlich ablehnen, beurteilten Hurrikane mit Frauennamen merklich milder.

Bis 1978 war es übrigens üblich, allen Hurrikanen weibliche Namen zu geben. Meteorologen hielten dies auf Grund der launischen Natur von Wirbelstürmen für angemessen, spöttelt Jung. Erst 1978 wurde diese Praxis geändert. Seitdem erhalten Hurrikane abwechselnd weibliche und männliche Namen, die bereits vor der Sturmsaison festgelegt werden. Bedenkt man jedoch die jetzt registrierten psychologischen Wirkungen der Namensgebung, wäre eine erneute Veränderung der Benennungspraxis durchaus sinnvoll, meint Jung. Ein akzeptabler Vorschlag hierzu wird allerdings noch gesucht.

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