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(K)ein einmaliges Chaos

Nordrhein-Westfalen, das sich als neuntgrößte Volkswirtschaft der Welt bewirbt, scheint auf Extremwetterereignisse nicht vorbereitet zu sein

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Nach dem Pfingstunwetter kam der Zugverkehr im Ruhrgebiet für eine Woche fast komplett zum Erliegen. Für die Zukunft ist mit noch extremerem Wetter zu rechnen.

Die Abfahrtsanzeige im Bochumer Hauptbahnhof bevorzugte eine deutliche Sprache. Noch am vergangenen Donnerstag - vier Tage, nachdem der Orkan »Ela« über Nordrhein-Westfalen gefegt war und vor allem im Ruhrgebiet wütete. »Aufgrund der Unwetterschäden ist der Zugverkehr z. Zt. komplett eingestellt.« Bochumer erwarben verstärkt Fahrradkarten. »Ich muss morgen mal wieder nach Dortmund kommen«, begründete einer den Kauf. Und in Bochums Nachbarstädten sah es nicht besser aus. Während die Autowege relativ schnell wieder frei geräumt waren, plagten niedergemähte Bäume und Oberleitungen die Kunden und Mitarbeiter der Bahn tagelang.

Man darf wohl von einem einmaligen Chaos sprechen. Aber wird es auch einmalig bleiben? Laut Klimaforschung und den Zahlen der Versicherungswirtschaft, die dafür gerade stehen muss, steigt sowohl die Zahl der Extremwetterereignisse als auch das Ausmaß der Schäden, die sie anrichten. Auch »Ela« richtete Schäden an, die jene des legendären Sturmtiefs »Kyrill« um ein Vielfaches übertrafen. Und Nordrhein-Westfalen, das einwohner- und industriereichste Bundesland der drittstärksten Volkswirtschaft des Planeten, ist offensichtlich nicht wirklich gut darauf vorbereitet. »Wir teilen diese Prämisse nicht«, widerspricht Bernhard Meier, stellvertretender Sprecher des sozialdemokratisch geführten NRW-Verkehrsministeriums, dem nd-Vorwurf.

Angesichts des Ausmaßes der Schäden sei schnell und konsequent gehandelt worden, versichert Meier. Befragt, wie der Status quo des Öffentlichen Personennahverkehrs in NRW derzeit ausschaue, erklärt er das Verkehrsministerium für nicht zuständig. »Von hier aus können wir nicht einschätzen, wie viel Prozent des Nah- und des Fernverkehrs wieder im üblichen Rahmen fahren«, sagt er. Und verweist auf die Deutsche Bahn AG. Die hieß hier bis 1994 Deutsche Bundesbahn und bewarb ihre Zuverlässigkeit mit dem Slogan: »Alle reden vom Wetter. Wir nicht.«

Seit 2010 leistet NRW sich ein grün geführtes Klimaministerium - das erste seiner Art in Deutschland, allerdings zugleich zuständig für die Ressorts Umwelt, Naturschutz und Landwirtschaft und unter ständigem Druck von Wirtschaft und politischem Mainstream stehend. Sieht man dort einen Zusammenhang zwischen dem Unwetter »Ela« und dem voranschreitenden Klimawandel? Grundsätzlich sei es schwierig, Einzelereignisse eindeutig mit dem Klimawandel zu korrelieren, referiert die Pressestelle. »Fest steht aber, dass das Intergovernmental Panel on Climate Change« - der ›Weltklimarat‹ der UNO - »in Zukunft in Mitteleuropa mit stärkeren Stürmen und einer größeren Anzahl von Extremwetter rechnet.«

Der vom Ministerium aufgelegte Klimaschutzplan wolle den öffentlichen Nahverkehr ausbauen und stärken. Das Ziel: »Noch mehr Personen zum Umstieg vom PKW auf den ÖPNV bewegen und so einen Beitrag zum Klimaschutz leisten«. Doch läge die fachliche Zuständigkeit für die Klimafolgenanpassung im Zugverkehr in einem anderen Hause. Dem Verkehrsministerium nämlich.

Was also unternimmt das Verkehrsministerium, um künftig mehrtägige Ausfälle des gesamten Zugverkehrs in ganzen Regionen zu verhindern? Ministeriumssprecher Meier antwortet abstrakt. »Das Ministerium ist mit allen Verkehrsträgern im Gespräch, um die Mobilitätsangebote in NRW krisenfest zu halten und die Kunden umfassend und zielgenau über Beeinträchtigungen zu informieren.« Das künftige Krisenmanagement lebe von der Evaluation der geleisteten Arbeit. Auf Deutsch: Schaun wir mal in aller Ruhe, was gut lief und was schlecht.

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