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Folge 50: ALKOHOL (der, arab.)

Lexikon der Bewegungssprache

Schon Ende des 19. Jahrhunderts wurde heftig darum gestritten, ob sich Alkohol und Sozialismus vertragen. Der damalige SPD-Chefmarxist Karl Kautsky betonte die Bedeutung der Kneipe für die soziale Organisierung der Arbeiterklasse. Auf Demonstrationen wurde damals aber nicht getrunken. Heute dagegen scheint die Pulle Bier für viele konsumorientierte Linksradikale zur Demogrundausstattung zu gehören. Einige Schlaumeier meinen, das Pfandgut in brenzligen Situationen auch gleich zur militanten Durchsetzung ihres Versammlungsrechts nutzen zu können. Aber spätestens wenn benebelte Subkulturgestalten, »Antifa-Hooligan« brüllend, die Demostrecke entlang torkeln und man weniger Sprechchöre als zuprostendes Bierflaschenklimpern hört, kann der politische Charakter einer Demonstration durchaus leiden.

In den raubeinigen 80er Jahren hieß es noch: »Raus aus der Demo mit deiner Pulle, sonst gibt’s auf die Schnauze!« In zahlreichen Flugblättern wurde seinerzeit um den alkoholfreien Charakter von Demonstrationen gestritten, als auch mal eben 30 000 Personen zu einer gerichtlich verbotenen Demonstration am Wackersdorfer Bauzaun erschienen. Fast möchte man meinen, als ließe sich an der Bierseligkeit der Demonstranten eine Diagnose linksradikaler Politikfähigkeit stellen. Wobei der konsumistische, Flaschen werfende Mob direkter Ausdruck der lähmenden Hilflosigkeit im neoliberalen Zwangsregime ist. Vielleicht sollte man mal wieder einen auf 80er machen: gruppendynamisch, hellwach und auf verstörende Art bei Sinnen raus auf die Straße. Bier gibt’s erst hinterher. schmi

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