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Das Warten auf den ersten Jubel

Iran hofft auf eigene Tore, einen guten Schiedsrichter und Schützenhilfe der Argentinier

  • Von Florian Lütticke, Maximilian Haupt und Farshid Motahari, Salvador
  • Lesedauer: 3 Min.
Selbst ohne Tor hofft Iran noch auf das WM-Achtelfinale. Dafür soll gegen Bosnien-Herzegowina auch der Frust über die Schiedsrichter abgelegt werden. Es droht auch ein historischer Losentscheid.

Mit Wut zum WM-Wunder. Angetrieben vom Zorn auf die Schiedsrichter wollen Irans neue Fußballhelden nach dem Beinahe-Coup gegen Argentinien den größten Erfolg ihrer Geschichte schaffen. »Wir hatten so ein bitteres Gefühl nach dem Ende des Matches«, beschrieb der frühere Bundesligaprofi Ashkan Dejagah das Empfinden vor dem finalen Gruppenspiel gegen den bereits ausgeschiedenen WM-Neuling Bosnien-Herzegowina. »Wir müssen am Mittwoch alles investieren, um zu gewinnen. Ich will dafür sorgen, dass wir so lange wie möglich bleiben.«

Beim unglücklichen 0:1 gegen Lionel Messi & Co. hatten die Iraner noch einen ausgebliebenen Elfmeterpfiff bitter beklagt und in einem zweiseitigen Brief sogar eine offizielle Beschwerde bei der FIFA eingelegt. Für den ersten Achtelfinaleinzug überhaupt wollen die bislang trefferlosen Asiaten im Fernduell mit Nigeria nun endgültig ihren Offensivminimalismus ablegen. »Dass wir noch kein Tor geschossen haben, muss sich schleunigst ändern«, betonte Dejagah. »Im dritten Spiel platzt hoffentlich der Knoten.«

Bei einem eigenen Sieg braucht Iran zudem dringend eine Niederlage von Nigeria für das Weiterkommen. Sollte der dreimalige Asienmeister mit einem Tor Unterschied gewinnen und die Afrikaner mit dem gleichen Ergebnis verlieren, stünde sogar der erste Losentscheid um das Erreichen der K.o.-Runde bevor.

»Gegen Bosnien müssen wir wieder solide verteidigen und gefährlich kontern. Das Spiel ist unser schwerstes in diesem Turnier«, kündigte Trainer Carlos Queiroz an und berichtete von der schwierigen mentalen Vorbereitung seiner Akteure: »Die Spieler sind nach dem Argentinien-Spiel immer noch sauer. Wir haben versucht, sie psychisch wieder aufzubauen.«

In seinem Furor über Schiedsrichter Milorad Mazic, der Dejagah einen Elfmeter verwehrt hatte, forderte der streitbare Portugiese sogar den Abzug des Serben vom Turnier: »Der Schiedsrichter war nur drei Meter von der Szene entfernt. Die FIFA sollte den serbischen Schiedsrichter nach Hause schicken. Wenn nicht, dann ist da was faul.«

Obwohl »Defensivmeister« (»The Guardian«) Queiroz bereits angekündigt hatte, Iran nach der WM zu verlassen, wirbt der nationale Verband weiter um ihn. Allerdings müsse die Regierung helfen, die Forderungen des 61-Jährigen zu erfüllen, betonte Verbandspräsident Ali Kafaschian.

Die Euphorie in der Heimat ist dank des ersten Spiels der WM-Historie ohne Gegentor beim 0:0 gegen Nigeria und dem couragierten zweiten Auftritt grenzenlos, auch Staatspräsident Hassan Ruhani fiebert mit der Mannschaft. »Macht weiter so«, grüßte er das Team aus Teheran. »Ich bete zu Gott für euren weiteren Erfolg.« Die öffentliche Sorge, dass das bereits qualifizierte Argentinien gegen Nigeria möglicherweise nur mit Reservespielern antreten könnte, zerstreute Trainer Queiroz. »Ich bin kein misstrauischer Mensch«, erklärte er.

Die Zeit fürs Rechnen ist bei den Bosniern hingegen nach zwei verlorenen Partien längst vorbei, die Heimreise für die sieben Profis aus den Bundesligen nach der Vorrunde fest gebucht. »Es ist normal, dass wir enttäuscht sind, weil wir alle wissen, dass es besser sein könnte«, sagte Stuttgarts Stürmer Vedad Ibisevic nach den zwei knappen Niederlagen gegen Argentinien (1:2) und Nigeria (0:1).

Auch bei den Bosniern herrschte Frust auf einen Referee wegen des verweigerten Führungstores von Edin Dzeko gegen Nigeria. Den Ärger hat der Angreifer zwar noch nicht überwunden, er kündigte aber eine Reaktion an. »Der Sieger zeigt sich dadurch, wie schnell er nach einer Niederlage wieder aufsteht«, schrieb Dzeko an seine Fans. »Wir werden genau das schon gegen Iran versuchen. Unsere Mission, eine starke und bestimmende Nationalmannschaft zu schaffen, beginnt erst.« dpa

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