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Kunst in der Fläche

Unter dem Motto »Courage« startet das Festival »48 Stunden Neukölln«

  • Von Volkmar Draeger
  • Lesedauer: 3 Min.

Im Berliner Sozialstrukturatlas sei der Bezirk Neukölln 2013 auf dem letzten Platz gelandet, vermeldet die lokale Presse. Da bedeute ein Wandel wenigstens im Norden noch keinen Trend. Umso mehr Gewicht gewinnt deshalb ein Kunstfestival wie »48 Stunden Neukölln«, 1999 begründet, nun vor seiner 16. Ausgabe. Rund 300 künstlerische Projekte an etwa 200 Orten wetteifern um Publikum, assoziiert sind zudem etwa 100 Offene Ateliers und Galerien. Zwei zentrale Standorte, die Neukölln Arcaden und ein ehemaliger Supermarkt an der Böhmischen Straße, bieten kuratierte Ausstellungen.

Neuköllns Künstler machen mobil und zeigen Flagge: »Courage« lautet das diesjährige Festivalmotto. So stellen in den Neukölln Arcaden mehr als 30 Künstler und Projekte ihre Exponate um politisches oder gesellschaftliches Engagement im Bezirk aus. Holger Biermann befragt mit seinen Straßenfotografien den Mut zum Weitermachen; in ihrem Film hat Performerin Sofia Nierodzinska die Männerwelt eines Shisha-Cafés aufgesucht; und Stanislaw Mischtschenko porträtiert ohne Hochglanz-Technik Schwule aus Kiew mit ihren Hoffnungen und Ängsten.

Für »Dutch Courage«, gut 100 Skulpturen rund um das Trinken, vom Bierkrug bis zum Tonbecher, hat sich ein Künstlerquartett Originelles ausgedacht: Wer Freibier tanken möchte, muss sich zuvor eines der Gefäße kaufen. Im einstigen Supermarkt geht es Konkreter zur Sache. Das Museum des Kapitalismus, bestehend aus rund 30 Aktiven, konstatiert dort Armut, Umweltzerstörung, Kriege und Diskriminierung als Übel unserer Zeit, fragt, was dagegen zu tun sei, und leistet so den ersten Schritt zu einem permanenten Museum.

Im früheren Frisiersalon des Stadtbads Neukölln fahnden sechs internationale Fotografen der »neuen Feigheit« nach: dem Mut zum Leben jenseits eines propagierten Europa. »Sind wir ein Volk?« richten Migranten ihren Blick auf die Wende und danach; Interviews gibt es zu sehen und gilt es selbst zu geben. Im Open-Air »Hotel Rix« am Richardplatz laden 15 Künstler zu einer Reise ein: Öffentlichkeit auf engem Raum statt Privatheit. Auf dem Hermannplatz wächst eine künstliche Oase mit meterhohen Palmen gen Himmel, als ein Protest gegen steigenden Verkehr und zugebaute Cities. Eine Jugend-Big Band bespielt diesen »Instant Park«. Musik gibt es ebenfalls auf der »Spreeprinzessin«. Neuköllns größte Community setzt sich auf dem Wasser mit Aspekten und Problemen ihrer afrikanischen Heimat auseinander. Abfahrt jede Stunde.

Erstmals Bestandteil dieser Tage ist als Offerte an Kinder und Jugendliche das Junge Kunstfestival. Unter dem Motto »Zeig dich!« erforschen rund 50 Programmbeiträge mit künstlerischen Mitteln deren Lebensbedingungen und Wünsche. Ein Kickerturnier eröffnet, vorgestellt werden auch die Ergebnisse von Workshops zur Selbstreflexion. Nachbarschaftstage im »Junipark« wollen Anwohner und Besucher zu Kontakt und Debatte zusammenbringen. Besonders spannend dürfte sein, was angehende Berufsfotografen zum brisanten Thema »Homosexualität und Fußball« mitzuteilen wissen. Eben 48 Stunden pralles Leben in Neukölln.

27.-29.6., www.48-stunden-neukoelln.de

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