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Windräder gleich vorm Badestrand

Mecklenburg-Vorpommerns Tourismusbranche in Sorge

  • Von Joachim Mangler, Rostock
  • Lesedauer: 3 Min.

In Mecklenburg-Vorpommern bahnt sich ein Konflikt zwischen zwei für das Land wichtigen Wirtschaftszweigen an: der Tourismus- und der Offshore-Windkraftbranche. Grund sind Pläne der SPD/CDU-Landesregierung, nach denen künftig Windparks bis zu sechs Kilometer an die Küste heranreichen können. Für die Betreiber der Windparks ist dies von großer Bedeutung, denn je weiter die Windparks im offenen Meer stehen, desto schwieriger ist es wegen der Tiefe, Fundamente zu setzen. Zudem wird der Betrieb immer teurer, je mehr Kilometer zwischen Küste und Windpark liegen.

Solche Pläne lassen die Verantwortlichen in der Tourismusbranche mit Bangen in die Zukunft schauen. »Unser Aushängeschild ist die unverbaute Natur«, sagt der Kurdirektor der Fischland-Gemeinde Dierhagen, Stephan Fellmann. Selbst Werbebroschüren der Landesregierung zeigten stets Strand, Landschaft und Natur. »Das ist unser Aushängeschild - ohne Windkraftanlagen«, betont er.

Für ihn ist es unvorstellbar, dass so nahe zum Strand ein Windpark errichtet wird. »Sonnenuntergänge, wie wir sie jetzt kennen, gibt es dann nicht mehr.« Einen Vergleich mit dem bestehenden Windpark Baltic 1 vor Prerow und Zingst lehnt er ab. Dieser liegt rund 16 Kilometer vor der Küste und dessen Windräder sind meist deutlich zu sehen. Trotzdem sind die Besucherzahlen in der betroffenen Region nicht wie befürchtet eingebrochen.

Tausende Arbeitsplätze seien in Gefahr, Millionen Euro für die touristische Infrastruktur wären möglicherweise umsonst verbaut, sagt auch Bad Doberans Kurdirektorin Kerstin Morgenroth. Die unverfälschte Natur sei auch ein zentraler Punkt im großen Therapieangebot für Kurpatienten.

Dagegen begrüßt der Vorsitzende des Windenergie-Netzwerks MV, Andree Iffländer, dass die Landesregierung Rahmenbedingungen schaffen will, um die Zukunftsindustrie Offshore zu unterstützen. Gleichzeitig warnt er vor einer zu emotionalen Diskussion oder gar Untergangsszenarien. »Die Urlaubsentscheidungen werden nicht alleine wegen Sonnenuntergängen getroffen«, betont er. Die Urlaubspläne würden von attraktiven Angeboten vor Ort, im Umland und einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis getragen. Der größte Teil der deutschen Bevölkerung befürworte den Ausbau der Windkraft und wisse, dass dafür auch Windkraftanlagen gebaut werden müssen.

Gleichzeitig verweist er auf den volkswirtschaftlichen Nutzen der Windkraftindustrie mit einem hohen Faktor von regionaler Wertschöpfung. »Die Offshore-Windparks führen zum Wohlstand einer Region.« Allerdings weiß auch Iffländer, dass Nutzungskonflikte nicht zu vermeiden sind. Er verweist dabei auf die komplexen Genehmigungsverfahren. Die Behörden würden jede mögliche Auswirkung durch Lärmentwicklung oder Gefährdung der Tierwelt oder Schifffahrt prüfen und abwägen. Jürgen Blume, Geschäftsführer des international tätigen Windpark-Betreibers Iberdrola Deutschland, mahnt einen engen Kontakt zu den Gemeinden an den Küsten an.

Der Tourismusverband hat Konsequenzen gezogen und ist dabei, mit Hilfe eines unabhängigen Forschungsinstituts erstmals die Verträglichkeit von Windenergie und Tourismus zu beleuchten. Die Befürchtung ist klar: Werde das positive Image des Tourismuslands angekratzt, droht der Nordosten perspektivisch zum Beispiel für eine falsche Prioritätensetzung zu werden. dpa/nd

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