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Spektakel und Sprungbrett

Bachmann-Preis

Die Sommerferien diktieren den literarischen Kalender Europas. In Frankreich ist es die «rentrée» vor dem Beginn des neuen Schul- und Studienjahres, die bestimmt, was literarisch angesagt ist. Im deutschsprachigen Raum geben die beiden Buchmessen in Leipzig und Frankfurt (Main) den Takt an. Dazwischen liegt ein Ereignis, das im internationalen Vergleich seinesgleichen sucht: Der Wettbewerb um den Ingeborg-Bachmann-Preis seit 1977 in Klagenfurt.

Die Regeln haben sich weiterentwickelt. Seit einigen Jahren laden sieben Juroren je zwei Autoren mit ihren bisher unveröffentlichten Texten ein. Die 14 Kandidaten haben vom Donnerstag bis Sonnabend je 30 Minuten Zeit, um ihren Text vorzutragen. Die Jury diskutiert dann 30 Minuten lang über das Gelesene. Am Sonntag muss sie sich entscheiden. In einem dramaturgisch auf Spannung angelegten Verfahren werden die Preise ermittelt. Das am Computer teilnehmende Publikum kann seinen eigenen Gewinner bestimmen. Alles ist öffentlich, wird live auf 3sat übertagen und ist in Echtzeit im Internet in aller Welt zu verfolgen. Die gelesenen Texte stehen dann in sieben Sprachen im Netz.

Das ist sowohl als Wettbewerbstyp wie auch als Medienereignis einmalig auf der Welt! Marketing für Verlage und Autoren: Wer beim Wettlesen einen Preis gewinnt - neben dem Bachmann-Preis gibt es vier weitere - darf das nicht lediglich als Ermutigung verstehen, sondern als Sprungbrett zum literarischen Erfolg.

Eröffnet wird das Spektakel alljährlich mit der «Klagenfurter Rede zur Literatur», die in diesem Jahr von Maja Haderlap (Preisträgerin 2011) gehalten wird. Sie gehört der slowenischen Minderheit in Kärnten an. Man darf gespannt sein, welchen literarischen oder politischen Akzent sie in ihrer Heimatstadt setzen wird.

Seit langem wird über den Sinn dieses Aufwandes kontrovers diskutiert. «Schafft Klagenfurt ab!» textete vor Jahren Volker Weidermann in der «FAS» und im vergangenen Jahr drohte der Hauptgeldgeber, das ORF, mit dem Abdrehen des Geldhahns. Es hatte nicht mit dem Aufschrei der literarischen Welt gerechnet und muss das kostspielige Ereignis fortsetzen. Wer in die Geschichte zurückblickt, stößt auf eine Reihe glanzvoller Namen - bei den Preisträgern wie den Juroren. Von Reich-Ranicki bis zu Dennis Scheck haben viele namhafte Kritiker den Daumen nach oben oder unten gedreht. Und die Autorenliste enthält praktisch alle Namen, die heute in der deutschsprachigen Literatur eine Rolle spielen. Zunehmend spielten Schriftsteller wie Terézia Mora, Saša Stanišic oder - wie letztes Jahr - Katja Petrowskaja eine preistragende Rolle, deren Muttersprache nicht ihre deutsche Literatursprache war.

In diesem Jahr finden vom 2. bis 6. Juli zum 38. Mal «Tage der deutschsprachigen Literatur statt. In der Jury gibt es unter dem in die Jahre gekommenen Vorsitzenden Burkhard Spinnen ein neues Gesicht: Arno Dusini, ein in Südtirol geborener, Cello spielender Literaturprofessor aus Wien. Unter die 14 Autoren - mehr Frauen als Männer - haben sich neben die Absolventen literaturnaher Studien diesmal zwei Kandidatinnen geschlichen, die Biologie bzw. Physik studiert haben. Vielleicht bringen sie ja frischen Wind ins Wettlesen.

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