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Engelstellung unterm Christbaum

Bienen im Schwarzwald sterben früher als sonst

In den Christbaum-Kulturen liegen tote Bienen am Boden: »Den Rüssel raus, die Flügel in Engelstellung - das sind typische Vergiftungserscheinungen«, sagt der Präsident des Landesverbands Badischer Imker, Ekkehard Hülsmann. Dabei sollen die Honigbienen doch den begehrten Weißtannenhonig produzieren, ein Markenzeichen des Schwarzwalds. Dafür müssen bestimmte Rindenläuse an den Tannen, die Lachniden, ausreichend Honigtau produzieren, der von den Bienen aufgenommen wird. Schuld am Tod der Bienen seien Pflanzenschutzmittel in den Nadelbaum-Kulturen, klagt Hülsmann.

Josef Gmeiner vom Christbaumverband Baden-Württemberg weist das zurück: Die Bäume würden schon im Februar und März mit Insektiziden behandelt, um die Wintereier von Milben, Blattläusen und Schildläusen zu zerstören - »da fliegen keine Bienen«. Er sei selbst auch Imker gewesen und achte daher bei der Schädlingsbekämpfung besonders auf die Bienenverträglichkeit.

Wenn es um das Bienensterben geht, hat jeder Experte eine andere Meinung. Wissenschaftliche Studien kommen bislang zu keinen klaren Befunden. In diesem Jahr gibt es Hinweise, dass der bislang im Herbst auftretende massenhafte Tod der Insekten schon im Sommer einsetzt. Nach dem milden Winter hat sich das Ende Juli beginnende Bienenjahr um etwa sechs Wochen nach vorn verschoben. Da die Belastung mit Milben hoch sei, »können schon jetzt kritische Grenzwerte überschritten werden, was dann zum Zusammenbruch von Völkern führen kann«, erklärt Gerlinde Nachtigall vom Julius-Kühn-Institut (JKI) in Braunschweig.

Die Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim in Stuttgart befürchtet, dass in diesem Jahr überdurchschnittlich viele Völker durch Varroa-Milben zugrunde gehen. Dieser aus Asien eingeschleppte Parasit befällt die Honigbienen meist schon in der Brutzelle.

»Befallene Bienen erkennt man an verkrüppelten Flügeln oder verkürztem Hinterleib - und in diesem Jahr häufen sich solche Beobachtungen bereits extrem früh im Jahr in besorgniserregendem Maße«, erklärt der Leiter der Landesanstalt für Bienenkunde der Universität Hohenheim, Peter Rosenkranz.

»Die Milbenpopulation ist durch den milden Winter viel größer als in den vergangenen Jahren«, bestätigt der Karlsruher Imker Marc La Fontaine von der Imkerei BieVital in Karlsruhe. Er setzt auf eine Doppelstrategie gegen die Milben: Zum einen entfernt er sie manuell durch konstantes Ausschneiden der Drohnenbrut und Behandlung der Bienen mit Puderzucker. Zum anderen versucht er, seine Bienenvölker genetisch zu stärken: »Der Schlüssel zu einer Varroa-resistenten Biene liegt in der Genetik, die durch natürliche Auslese und imkerliche Eingriffe innerhalb eines Bienenjahres entsteht.«

Bienenforscher Rosenkranz hält das für einen sinnvollen Ansatz, ist aber nicht sehr optimistisch: Da 98 Prozent der Honigbienen in Imkerhand seien, fehlten die Bedingungen einer natürlichen Selektion. Für Verbandspräsident Hülsmann sind Pflanzenschutzmittel das große Problem, vor allem Neonicotinoide. Diese könnten schon in geringen Dosen das Navigationssystem der Bienen stören: »Die Biene fliegt aus und findet nicht mehr zum Stock zurück.«

Ein Neonicotinoid, der Wirkstoff Clothianidin, war verantwortlich für das massenhafte Bienensterben vor sechs Jahren am Oberrhein - seitdem ist die Beizung von Maissaat mit diesem und zwei verwandten Mitteln in Deutschland verboten. dpa/nd

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