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Einen Akt lang Lärm

Oper in Aix-en-Provence

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In der Wahrnehmung liegt das Opern- und Musikfestival in Aix-en-Provence etwas im Schatten des Theaterfestivals in Avignon. Was auch dazu führt, dass bei Arbeitskämpfen im Kulturbereich die Wirkung größer ist, wenn die Avignon-Eröffnung ausfällt, weil sie bestreikt wird. Auch in Aix-en-Provence ist das 2003 schon einmal so gewesen. Mit dem entsprechenden ökonomischen und dem Imageschaden, den sich Kultur heute eigentlich nicht mehr leisten kann. Da die Stimmung in Frankreich spürbar aufgeladen, der sozialistische Präsident auf einem Umfragetief angekommen ist und nahezu jede Mehrheitsentscheidung von der unterlegenen Minderheit lautstark in Frage gestellt wird, wurde auch die Eröffnung des 66. Festspieljahrgangs in Aix zu einer Zitterpartie. In geheimer Abstimmung hatten sich zwar 80 Prozent der betroffenen Zeitarbeitskräfte (der Intermittents du spectacle) für eine Durchführung des Festivals ausgesprochen, aber der Rest, der bis zum Äußersten gehen wollte, ließ sich davon nicht beeindrucken.

Vor der Eröffnungspremiere, Mozarts »Zauberflöte«, legten sich einige der Kulturarbeiter am Eingang zum klotzigen Grand Théâtre du Provence buchstäblich quer. Regisseur Simon McBurney solidarisierte sich in einer emotionalen Rede nicht nur mit den Forderungen der Intermittents nach Erhalt ihrer Absicherungsklauseln, sondern plädierte leidenschaftlich für den Erhalt der Kultur in Europa.

Als am nächsten Tag Händels »Ariadne« von Richard Jones auf dem Programm stand, versuchte eine aus Marseille angereiste Gruppe die Vorstellung im Théâtre de l’Archevêché, das romantisch im Innenhof des erzbischöflichen Palastes liegt, unter freiem Himmel, durch einen Höllenlärm vom Vorplatz aus zu stören. Und das einen geschlagenen Akt lang. Nachdem sie eine Sängerin vergeblich am Auftritt zu hindern versucht hatte. Die Riesentore des Theaters blieben dann auch noch in den Pausen verschlossen. Oper, die nur unter Polizeischutz laufen kann - für den Festivalchef Bernard Foccroulle und für die Besucher, die immerhin bereit sind, bis zu 250 € für eine Karte auszugeben, ist das eine Horrorvorstellung. Bei Händel verdienten Andrea Marcon und das Freiburger Barockorchester (das für die nächsten Jahre das Residenzorchester in Aix ist und unter Pablo Heras-Casado auch die heiter-gescheite Zauberflöte bestritt) und die Protagonisten schon für die Nervenstärke Respekt, mit der sie sich auf ihr Kerngeschäft konzentrierten. Mark Minkowski und sein Orchester erhielten diese Chance mit Rossinis »Turco in Iatalia« am dritten Premierentag nicht. Es waren weder der Wolkenbruch am Nachmittag noch die Polizeipräsenz in Aix-en-Provence, sondern der dann doch in Avignon und auch in Aix stattfindende Streik, der die Aufführung platzen ließ. Jetzt kann man nur auf besseres Wetter hoffen. Am Himmel und auf der Straße.

www.festival-aix.com

Arte überträgt »Die Zauberflöte« am 9. Juli 2014, direkt.

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