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Von reinstem Wasser

Vinko Globokar wird 80

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Was bei so gut wie keinem anderen Schöpfer Neuer Musik der Fall scheint: Vinko Globokars Ideen liegen jenseits der Musik. Und zwar ausschließlich. Sie siedeln im Kriminalfall, in den Randzonen menschlicher Existenz, in der Luft, der Erde, im Feuer und Wasser. Zerfallsprozesse, Kriege, wie er sie in Jugoslawien erfahren hat, menschliche Schicksale, reale musikalische Kollisionen sind für ihn Anregungsmaterial. Nicht die Bedürfnisse einer sich aussingenden Seele oder anderer musikalischer Gespinste. Vinko Globokar, der heute Achtzigjährige, sagt: »In der Musik selbst suche ich nie Ideen, sondern immer außerhalb von ihr.«

Geboren ist er in Frankreich als Kind slowenischer Eltern. Der Vater arbeitet im Bergbau im französischen Loraine. Als die Eltern zurückkehren nach Slowenien, ist er 13 Jahre alt. Das Gymnasium besucht Vinko in Ljubljana. Mit 17 ist er, als Posaunist, schon Mitglied der Big Band von Radio Ljubljana. In Paris sich umtuend, begleitet er in einem Orchester Edith Piaf, Charles Aznavour und Gilbert Bécaud. Davon schwärmt er heute noch.

Kompositionsstudien bei René Leibowitz und Luciano Berio schließen sich an. Der junge Mann lernt die Prinzipien strenger Organisation der Musik kennen. Angestiftet von der Protestbewegung der Achtundsechziger, spielt er mit der Gruppe Phonic Art Musik als »totale freie Improvisation«. Ohne irgendetwas vorher zu besprechen. Also keine Proben, nichts. Nach 15 Konzertjahren löst sich die Gruppe auf, was Globokar nicht daran hindert, weiter zu experimentieren, zu forschen und zu lehren: Acht Jahre Arbeit als Professor für Posaune an der Kölner Musikhochschule, drei Jahre Lehrtätigkeit an US-amerikanischen Universitäten, am IRCAM- Institut in Paris ist er mit Forschungen zur vokalen und instrumentalen Musik beschäftigt. Zwei Dezennien lang unterrichtet er in Florenz Theorie und Analyse zeitgenössischer Musik und dirigiert dort gleichzeitig die wichtigsten Werke, die nach 1945 entstanden sind. Globokar spricht sechs Sprachen.

Was er auch entwickelt, Kammermusik, Arbeiten für Orchester, Konzertstücke, Ideen für das Instrumentaltheater, sein ganzes bisheriges Werk ist von Experimentierlust durchdrungen. Es ist - geht man einzelne Werke durch - voller Farben, voller Elan. Der Einfall lebt darin, der Vorstoß, die Überraschung. Eine Produktion, so hintersinnig wie klanglich von reinstem Wasser, so schön wie kritisch und bissig. Und, was viele von Globokars Stücken so markant macht: sie koexistieren auf konstruktive Weise mit fremden osteuropäischen, auch außereuropäischen Kulturen und führen nicht selten eine gehörige Portion Humor mit sich.

Eines seiner Hauptwerke ist »Der Engel der Geschichte«, Untertitel: »... unter dem Fleisch der Klänge ...«, von 2000, eine Trilogie für zwei Orchestergruppen, zwei Dirigenten, elektronisches Zuspiel. Mit ihr schuf der Komponist ein Fresko der Zeit, in der er lebt, und berührt darin auch die vier Kriege, die Jugoslawien in den 1990er Jahren zerstörten, und ihre Folgen.

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