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Das goldene Land zieht Investoren an

Nach Zeiten der Militärdiktatur wird Myanmar interessant für ausländische Unternehmen

  • Von Michael Lenz, Rangun
  • Lesedauer: 3 Min.

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Myanmars wirtschaftliche Zukunft ist noch ungewiss. Doch Experten sind sich sicher: Es wird nicht zu einem Billiglohnland werden.

Die Birmanen sind sehr religiöse Menschen. Trotz bitterer Armut spenden sie Gold, Geld und Edelsteine für die buddhistischen Klöster. Überall glänzen goldene Pagoden, denen das ehemalige Birma seinen Ruf als Goldenes Land verdankt.

Nach Jahrzehnten der Misswirtschaft der Militärjunta muss Myanmars Wirtschaft und Infrastruktur komplett runderneuert werden. Gleichzeitig hat das rohstoffreiche, und mit einem großen landwirtschaftlichen Sektor gesegnete Myanmar mit seiner berühmten handwerklichen Tradition und einem Binnenmarkt mit 60 Millionen Menschen ein beachtliches Potenzial für eine goldene Zukunft. Eine große Chance also für Investoren aus aller Welt, sich im goldenen Land mit seiner strategisch idealen Lage zwischen China und Indien, dem Himalaya und dem Golf von Bengalen eine goldene Nase zu verdienen.

Monika Stärk, Chefin des im Februar von Bundespräsident Joachim Gauck eröffneten »Delegiertenbüros der Deutschen Wirtschaft« in Myanmar, will Grundlagen schaffen für ein langfristiges Engagement deutscher Unternehmen in und mit Myanmar. Aktuell boomen vor allem Branchen wie Öl, Gas und Bergbau. Da fehle es in Deutschland an »großen Playern«, sagt Stärk in ihrem noch karg eingerichteten Büro im zehnten Stock der birmanischen Industrie- und Handelskammer mit Aussicht über Rangun und die Reisfelder des Irrawaddy Deltas. »Die Zeit der großen deutschen Player im Maschinen- und Technologiebereich für Investitionen in Myanmar aber kommt, wenn die Sonderwirtschaftszonen geschaffen sind«, ist sich Stärk sicher.

Noch sind deutsche Unternehmen mit einem Engagement in dem lange isolierten Land vorsichtig. »Das Interesse an Myanmar ist zwar groß«, weiß Lukas Brandau, Direktor von econAN international, einer Agentur in Rangun mit Schwerpunkt Unternehmensberatung und Entwicklungszusammenarbeit. »Aber viele kommen zunächst, um Chancen und Möglichkeiten zu sondieren.« Firmen, die sowohl für den Export als auch für den Inlandskonsum höherwertige Produkte herstellen, hätten langfristig gute Chancen. »Myanmar wird kein Billiglohnland wie Bangladesch sein.«

Der Düsseldorfer in Rangun sieht jedoch noch eine Reihe von Hürden für internationale Investoren. Zwei davon sind die noch nicht ganz ausgereifte Investitionsgesetzgebung sowie die noch unvollendete Einbindung Myanmars in das internationale Finanzsystem. »Überweisungen nach Myanmar sind nur über Partnerbanken im Ausland möglich, aus dem Land heraus ist es noch komplizierter.« Zusätzlich verunsichern politische Probleme im Vorfeld der Parlamentswahlen 2015: Gestattet das immer noch einflussreiche Militär eine Verfassungsänderung, um Aung San Suu Kyi die Präsidentschaft zu ermöglichen? Bekommt die Regierung die Hasskampagne extremistischer Buddhisten gegen Muslime in den Griff? Brandau ist zuversichtlich: »Ich gehe davon aus, dass die Wahl ganz gut über die Bühne gehen wird.«

Die Regierung von Myanmar und die Menschen wünschen sich ausländische Investitionen, aber die Erfahrung als britische Kolonie und die chinesische Wirtschaftsdominanz in den letzten Jahrzehnten hat die stolzen Birmanen auch skeptisch gegenüber ausländischen Einflüssen werden lassen. Stärk sieht deshalb die Stärkung der eigenen Wirtschaftskraft Myanmars als eine ihrer Aufgaben: »Es gibt eine gute privatwirtschaftliche Basis und einen Mittelstand«. Es fehle aber an Know How, an Kenntnis über Märkte im Ausland und Zugang zu Finanzierung. »Banken vergeben hier Kredite nur mit sehr kurzen Laufzeiten und verlangen Sicherheiten bis zu Hundert Prozent der Kreditsumme«, so die Wirtschaftsexpertin und fügt hinzu: »Deutschland könnte Know How in der Mittelstandsförderung vermitteln.«

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