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Hier regiert die KPD

Zwei neue Bücher vermitteln eine etwas andere Sichtweise auf den Fußball

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Pünktlich zur WM kamen zwei neue Fußballbücher auf den Markt. Sie beschäftigen sich auf unterhaltsame Weise mit »Nebensächlichkeiten« des Spiels.

Gab’s neulich zu lesen: »Fußballbundesligist Borussia Dortmund (BVB) will 14 Jahre nach der Erstnotiz in eine höhere Börsenliga aufsteigen. Die Papiere des Vizemeisters hätten zum Monatsende die Genehmigung zum Wechsel vom General Standard in die Prime Standard erhalten, teilte der Klub mit ... Zusammen mit der Marktkapitalisierung habe der BVB damit die Voraussetzung für den Aufstieg in den Kleinwerte-Index S-Dax geschaffen«, sagte Geschäftsführer Thomas Treß.

Dazu passt die Notiz: »Und dann kommt der große Augenblick: Unter den Klängen der ›Pink-Dream‹-Hymne ›Light up your soul, let pink dreams come true‹ betreten die Mannschaften das weite Rund … Die Mannschaftskapitäne verlesen die üblichen Bekenntnisse gegen Fremdenfeindlichkeit und illegal produziertes Marihuana, gegen wirtschaftsfeindliche Propaganda und für gesunden Patriotismus sowie die vorurteilsfreie Nutzung der Produkte aus dem Sponsorenpool. Die niedlichen Ballkinder ... tollen vom Spielfeld. Das große Endspiel um die Deutsche Meisterschaft 2100, es kann beginnen.«

Der erste Text stand im Wirtschaftsteil der FAZ. Der zweite von Reporterlegende Manni Breuckmann ist ein Beitrag für den Sammelband mit den »besten Fußball-Satiren«. Die Gegenüberstellung beider Texte zeigt: Die Satire hat es heute schwer, sich von der Realität abzusetzen.

Das Buch versammelt Altbekanntes wie Ödon von Horvárts »Legende vom Fußballplatz« oder Ror Wolfs herrliche Collage »Der Ball«. Auch Robert Gerhardts Sprachwitz bezaubert: »Der Mensch ist da Mensch, wo er spielt - das trifft’s, Herr Schiller. Gut gezielt!« Auffallend ist, dass sich viele der neueren Beiträge um die Kommerzialisierung des Fußballs drehen. Nicht nur dem Kapitalismuskritiker Manni Breuckmann (in seinem Stück regiert die KPD - die Konsum Partei Deutschlands) und dem Kabarettisten Lutz von Rosenberg Lipinsky (»Geld schießt eben doch Tore«) geht der Verkauf der Seele des Fußballs zu weit. FAZ-Autor Michael Horeni zeigt, welche Richtung der Fußball eingeschlagen hat. Er lässt die Festrede zum 100. Geburtstag der Bundesliga von Mats Hummels halten - Bundeskanzler der BR Deutschland und Präsident der Bundesliga AG. Hummels erinnert darin an den in den 20er Jahren endenden Siegeszug der Bayern und Dortmunds. Es folgten die »Pioniere« von RB Leipzig und Volkswagen.

Auf ganz andere Weise nähern sich Chris Anderson und David Sally dem Fußball. Sie beschäftigen sich mit der Magie von Zahlen und Statistiken: »Daten verändern unsere Sichtweise auf den Fußball.« Weil sich die Eigentümer der Klubs bei der Bewertung der Mannschaftsleistungen oder des Werts ihrer Investitionen nicht mehr ausschließlich auf ihr eigenes Urteil verließen, gehöre innovativen Analysefirmen wie Opta die Zukunft. Opta bediene die »immer stärker werdende Sucht nach Fußballdaten.« Mit Hilfe eigens konzipierter Programme und zahlloser oberhalb des Platzes aufgehängten Kameras ist es heute möglich, nahezu beliebig viele Daten zu Spielen und Spielern zu sammeln - und Fragen zu beantworten, über die Experten wie Laien streiten. »Ballbesitz steht im Zusammenhang mit Erfolg«, haben die Autoren herausgefunden. Das heißt: Die Sieger können besser kicken und machen unter Druck weniger Fehler. Hätte man sich auch ohne Auswertung von Trillionen Datensätzen denken können ...

Gerhard Richter (Hg.): Ein Leben ohne Fußball ist möglich, aber sinnlos. Die besten Fußball-Satiren, Ellert&Richter Verlag, 160 Seiten, 14,95 Euro

Chris Anderson/David Sally: Die Wahrheit liegt auf dem Platz. Warum (fast) alles, was wir über Fußball wissen, falsch ist, Rowohlt Taschenbuch-Verlag, 416 Seiten, 9,99 Euro

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