Werbung

Jede dritte Bahnbrücke ist marode

Brandenburgs Grüne sehen die Eisenbahn als Eigentümerin in der Pflicht

  • Von Wilfried Neiße
  • Lesedauer: 3 Min.

Bei uns droht die ABOkalypse!

Wir brauchen zahlende Digitalleser/innen.

Unterstütze uns und überlasse die Informationsflanke nicht den Rechten!

Mach mit! Dein freiwilliger, regelmäßiger Beitrag:

Was soll das sein

Wir setzen ab sofort noch stärker auf die Einsicht der Leser*innen, dass linker Journalismus auch im Internet nicht gratis zu haben ist – mit unserer »sanften« nd-Zahlschranke.

Wir blenden einen Banner über jedem Artikel ein, verbunden mit der Aufforderung sich doch an der Finanzierung und Sicherstellung von unabhängigem linkem Journalismus zu beteiligen. Ein geeigneter Weg besonders für nd-Online-User, die kein Abo abschließen möchten, die Existenz des »nd« aber unterstützen wollen.

Sie können den zu zahlenden Betrag und die Laufzeit frei wählen - damit sichern Sie auch weiterhin linken Journalismus.

Aber: Für die Nutzung von ndPlus und E-Paper benötigen Sie ein reguläres Digitalabo.

Rund ein Drittel der Eisenbahnbrücken in Brandenburg ist dringend sanierungsbedürftig, haben die Grünen jetzt festgestellt. Ein Sicherheitsproblem liege gegenwärtig aber nicht vor, fügen sie hinzu.

Von den insgesamt 801 Eisenbahnbrücken im Bundesland Brandenburg gehören 208 der Kategorie 3 an, das heißt, sie weisen umfangreiche Schäden auf, ihre Instandsetzung wäre aber mit vertretbarem Aufwand möglich. Weitere 65 Brücken dagegen fallen unter die Kategorie 4 - ihre Instandsetzung ist unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht mehr möglich, sie müssten also abgerissen und völlig neu gebaut werden. In allen Fällen jedoch ist die Sicherheit der Fahrgäste und des Bahnpersonals gegenwärtig noch gewährleistet.

Der verkehrspolitische Sprecher der brandenburgischen Grünen, Michael Jungclaus, berief sich bei diesen Angaben auf die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion. Er habe deren Ergebnisse auf Brandenburg »heruntergebrochen«, sagte er am Dienstag in Potsdam. Das Problem verdichte sich auf der Bahnstrecke zwischen Berlin, Bernau, Eberswalde und dem polnischen Kostrzyn (Küstrin) aber auch in der Verkehrsregion Frankfurt (Oder).

Da es in anderen Bundesländern kaum besser aussieht, forderte die Grünen-Bundestagsabgeordnete Annalena Baerbock die Führung der Deutschen Bahn AG auf, das Anlagevermögen zu erhalten und nicht weiter auf Verschleiß zu fahren. Dazu gehöre nicht, Gewinne des Unternehmens in Auslandsgeschäfte zu investieren, Kapitalerhöhungen bei fremden Tochtergesellschaften vorzunehmen oder sich an betriebsfremden Geschäften zu beteiligen, sondern damit das eigene Streckennetz instand zu halten. Nach Angaben der Bahn selbst sei ein Rückstau im Umfang von 30 Milliarden Euro entstanden.

Der Appell richtet sich an den Eigentümer des Streckennetzes, die Deutsche Bahn AG und damit an die Adresse der Bundesregierung. In solchen Fällen meldet das Land für gewöhnlich seinen Bedarf an und übernimmt die Planungsarbeiten.

Wie viel Geld die Rekonstruktion der 65 dringendsten Bauvorhaben in Brandenburg kosten werde, sei ebenso wenig zu beantworten wie die Frage, wann die ersten Brücken wegen Baufälligkeit gesperrt werden müssten, so Baerbock. Über den Daumen gepeilt rutsche ein Brückenbauwerk, das keine bauliche Aufwertung erfährt, nach 15 bis 20 Jahren in die nächstschlechtere Kategorie. »Der Eigentümer ist in der Pflicht.« Die eine Milliarde Euro, die vom Bund zusätzlich eingestellt sei, »wird nicht reichen«. Bis 2017 müssten mindestens anderthalb Milliarden Euro in die Erneuerung der Brückenstruktur gesteckt werden.

Das Durchschnittsalter von Eisenbahnbrücken beträgt in Deutschland 56 Jahre. Der Anteil dringend zu sanierender Brücken liegt in Nordrhein-Westfalen bei 44 Prozent, in Rheinland-Pfalz bei 34,9 Prozent, also noch höher als in Brandenburg. Und für Mecklenburg-Vorpommern schätzen laut Baerbock Experten, dass über die Hälfte der Eisenbahnbrücken dringend reparaturbedürftig ist.

Der falscheste Weg, auf dieses Problem zu reagieren, wäre aus Sicht der Grünen der offenkundig billigste: die Stilllegung der Strecken. Jungclaus forderte die Landesregierung, die wie alle anderen und der Bund mehr die Straße als die Schiene im Blick habe, zum »Umdenken« auf. Sie sei zu sehr auf die Straße fokussiert, die Mehrzahl der Neubauprojekte betreffe Straßen. Angesichts von rund 260 000 Menschen, die in Brandenburg täglich mit der Bahn zwischen Heim und Arbeitsstelle pendeln, wäre die umfassende Sanierung der Brücken auch ein gewaltiges logistisches Problem. Das setze eine sorgfältige Planung voraus, um die Einschränkungen für die Bahnnutzer so gering wie möglich zu halten. Zwei Drittel aller Berliner verfügten weder über ein Auto noch über ein Motorrad, sie sind also vom öffentlichen Personenverkehr abhängig. Auswirkungen hätte ein solches Brückensanierungsprogramm natürlich auch auf den Tourismus.

ndPlus

Ein kleiner aber feiner Teil unseres Angebots steht nur Abonnenten in voller Länge zur Verfügung. Mit Ihrem Abo haben Sie Vollzugriff auf sämtliche Artikel seit 1990 und helfen mit, das Online-Angebot des nd mit so vielen frei verfügbaren Artikeln wie möglich finanziell zu sichern.

Testzugang sichern!