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Ausgefuchst

Die Pressemitteilung des ZDF, die gestern an die Medien verschickt wurde, war in routinierter Pressestellensprache gehalten. Der Leiter der ZDF-Hauptredaktion Show, Oliver Fuchs, habe in Zusammenhang mit den Manipulationen bei der Rankingshow »Deutschlands Beste« die Verantwortung übernommen und seinen Rücktritt angeboten. ZDF-Intendant Thomas Bellut danke »Herrn Fuchs für sein Engagement und seine Arbeit« und dafür, »persönlich die Verantwortung zu übernehmen«.

Mit diesen Sätzen endet die kurze Karriere des Oliver Fuchs im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Sie begann 2012, als der gelernte Fotoingenieur seine Tätigkeit als Geschäftsführer einer TV-Produktionsfirma gegen das Amt des Unterhaltungschefs beim ZDF eintauschte. Fuchs musste den Kopf dafür hinhalten, dass seine Mitarbeiter die Umfrage, auf der in der Sendung »Deutschlands Beste« Anfang Juli die Wahl der beliebtesten Frauen und Männer in Deutschland beruhte, so veränderten, dass die eingeladenen Showgäste weiter vorne platziert wurden. Vor wenigen Tagen stellte sich schließlich heraus, dass es bereits in vorangegangenen Sendungen zu ähnlichen Manipulationen kam - zu einer Zeit also, als Fuchs noch in der freien TV-Branche seine Brötchen verdiente.

Ob Oliver Fuchs wirklich nichts von den internen Manipulationen wusste, sei dahingestellt. Auf jeden Fall war ihm von Anfang an beim ZDF kein glückliches Händchen beschieden. In die Ära des 46-Jährigen fällt der endgültige Niedergang des einstigen Samstagabend-Flagschiffs »Wetten, dass …?«.

Das ZDF hatte sich von ihrem neuen Zugpferd zu Amtsantritt eigentlich mehr erhofft. Fuchs brachte viel Erfahrung aus der TV-Branche mit, arbeitete als Redakteur und Herstellungsleiter bei verschiedenen Produktionsfirmen, bevor er 2003 Geschäftsführer von Eyeworks Deutschland wurde, das die deutschen TV-Sender vor allem mit Social-Doku-Formaten wie »Die Küchenchefs« oder »Goodbye Deutschland - Die Auswanderer« und Casting-Shows beliefert.

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