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Eine Stadt zum Anbeißen

Das Konzept vom »essbaren Bezirk« könnte das Bild in vielen Kiezen verändern

  • Von Robert D. Meyer
  • Lesedauer: 4 Min.

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Pankow könnte nach Friedrichshain-Kreuzberg der zweite Berliner Bezirk werden, der auf den Anbau von Obst und Gemüse in Parks und auf öffentlichen Plätzen setzt.

Mit dem prachtvollen Garten Eden hat die Parkanlage »Grünes Tor« nicht wirklich viel gemeinsam. Noch ein wenig kümmerlich wirken die neun Kirschbäume auf dem Platz zwischen Oberbaumbrücke und East Side Gallery in Friedrichshain. Kein Wunder, denn die Obstbäume wurden erst im vergangenen Frühjahr gepflanzt. Es dürfte noch einige Jahre dauern, bis sie in voller Blüte und kurze Zeit später mit stattlichen Mengen ihrer roten Früchte auf viele hungrige Sammler warten.

Das zumindest ist der Plan der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) von Friedrichshain-Kreuzberg, die als erste Berliner Volksvertretung beschloss, die Idee von einem »essbaren Bezirk« umzusetzen. Inzwischen nimmt das Projekt konkrete Formen an. Bis dahin war es ein langer Weg: Bereits vor zwei Jahren begann eine Kommission damit zu prüfen, an welchen Orten im Bezirk innerstädtischer Anbau möglich sein könnte. Denn die Kultivierung von Obst und Gemüse ist nicht überall im Hinblick auf die Gesundheit gefahrlos möglich, wie Wissenschaftler der TU Berlin 2013 feststellten. Die Forscher vom Institut für Ökologie untersuchten den Schwermetallgehalt von Obst und Gemüse in den städtischen Kleingärten Berlins.

Das Ergebnis sorgte für Aufregung unter den Gärtnern der Hauptstadt: In knapp der Hälfte aller Gemüseproben lag der Schwermetallgehalt über dem zulässigen EU-Grenzwert, beim untersuchten Obst war dies dagegen nicht der Fall. Allerdings konnte auch beim Gemüse teilweise Entwarnung gegeben werden: Je weiter ein Beet von einer dicht befahrenen Straße entfernt ist oder durch eine Barriere – etwa ein Gewächshaus – vor dem direkten Kontakt geschützt ist, umso geringer fällt die Schwermetallbelastung aus. Die Ergebnisse der Untersuchung flossen daraufhin in die Arbeit der Bezirkskommission ein. Im Ergebnis stellten sich Nussbäume, Haselnusssträucher, verschiedene Obstbäume, Stauden und Obststräucher als besonders für den Anbau in der Großstadt geeignet heraus.
In der Parkanlage »Grünes Tor« stehen deshalb nicht nur Kirschbäume sondern auch Sanddornhecken – eine Pflanze, die einen eher an den letzten Ostseeurlaub anstatt an ein Großstadtgewächs erinnert. Auch bei der Hofgestaltung der Carl-von-Ossietzky-Schule in der Kreuzberger Blücherstraße werden essbare Pflanzen berücksichtigt.

Wo sich in Friedrichshain-Kreuzberg die ersten fruchtbaren Erfolge zeigen, will Pankow noch hin – wenn es nach Elisa Pfennig (Grüne) geht. In der letzten Sitzung vor der Sommerpause hat die BVV Pankow einstimmig einen Antrag der Grünen angenommen zu prüfen, ob und wo im Bezirk Essbares wachsen kann. Dazu soll es nach der politischen Sommerpause einen Workshop mit Experten, Umweltverbänden, Gärtnern und Bürgern geben. »Das Interesse der Leute ist da, oft fehlen aber ausreichend Flächen zum Gärtnern«, erzählt Pfennig.

Genau darin soll künftig die wichtigste Aufgabe des Bezirksamtes Pankow für die essbaren Kieze liegen: in Parks und auf anderen Grünflächen den Anwohnern Flächen zuweisen, wo sie selbst Beete anlegen und gärtnern dürfen. Im Mauerpark und an anderen Stellen im Stadtteil Prenzlauer Berg gäbe es passende Areale, so Pfennig, die selbst in einem Gemeinschaftsgartenprojekt aktiv ist. Der »essbare Bezirk« ist eine Idee, die das Straßenbild in vielen Kiezen nachhaltig verändern könnte. Jeder soll pflanzen und ernten dürfen. Für den Bezirk sollen die neuen Nutzungsmöglichkeiten sogar finanzielle Vorteile bringen, sagt Pfennig: »Um Flächen, die von Anwohnern bepflanzt und gepflegt werden, muss sich dann das Grünflächenamt nicht mehr kümmern.«

Hinsichtlich der Planung von Neupflanzungen in Parks und Grünanlagen und an anderen öffentlichen Plätzen ist auch der Bezirk gefragt. Statt auf Zierbäume und Sträucher soll das Grünflächenamt essbarer Vegetation, wie Obstbäume und Stauden, setzen. »Die sind im Einkauf nicht teurer als beispielsweise ein junger Ahornbaum«, sagt Pfennig. Zu Linde, Ahorn und Eiche, laut Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt die häufigsten Berliner Bäume, könnte sich in Zukunft der ein oder andere Apfelbaum gesellen.

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