Das Flughafen-Denkmal lebt

Tempelhof soll auch nach dem teilweisen Rückzug der Modemesse Veranstaltungsort bleiben

70 Veranstaltungen fanden im vergangenen Jahr im ehemaligen Tempelhofer Flughafengebäude statt. Die Nachfrage ist ungebrochen.

Im ehemaligen Flughafengebäude in Tempelhof sind viele Flächen ungenutzt. Demnächst könnten es noch mehr werden, denn nach dem Teilausstieg der Modemesse Bread & Butter, die künftig nur noch ein- und nicht zweimal jährlich hier den Laufsteg aufbauen will, erwartet mancher bald den Komplett-Rückzug.

Bei der landeseigenen Tempelhof-Projekt GmbH, die das Areal bewirtschaftet, glaubt man das nicht. »Die Veranstaltung bleibt Berlin erhalten, wenn auch nur ein Mal im Jahr«, sagt Geschäftsführer Gerhard W. Steindorf. Er verweist darauf, dass der Chef der Modemesse, Karl-Heinz Müller, öffentlich angekündigt habe, »seinen Vertrag mit uns zu erfüllen«. Der Mietvertrag läuft noch bis 2019, mit Option auf Verlängerung um weitere zehn Jahre. Dem Vernehmen nach beschert das dem Land jährliche Mieteinnahmen von rund 1,6 Millionen Euro. Die sollen weiterhin voll gezahlt werden.

Die Bread & Butter zog 2009 erstmals nach Tempelhof und war damals der erste große Nutzer der Flugzeughangars. Seitdem wurden sie einschließlich des Vorfelds und der einstigen Abfertigungshalle immer häufiger zum Eventort. Im vergangenen Jahr fanden dort fast 70 Veranstaltungen mit 700 000 Besuchern statt, von der Sportmesse Berlin Vital im Vorfeld des Berlin-Marathons, der Designmesse DMY, der A&P-Summer Rave bis zu den Deutschen Gründer- und Unternehmertagen. Die Auslastung der Flächen läge mittlerweile bei über 40 Prozent, so Steindorf. Hinzu kommen zahlreiche, nicht-öffentliche Veranstaltungen von Unternehmen, die sogenannte Kunden- und Mitarbeiterevents durchführen.

Die Tempelhof Projekt GmbH geht zudem davon aus, dass durch ihre Veranstaltungen allein im vergangenen Jahr 54 Millionen Euro an Kaufkraft nach Berlin flossen. Außerdem würden 1100 Arbeitsplätze gesichert und rund 1,4 Millionen Euro Steuereinnahmen erzielt. Für Pascal C. Thirion, Eventmanager bei der Tempelhof Projekt, der Beweis, dass »das Denkmal lebt«. Die Entscheidung, den Flughafen Tempelhof in Teilen zu einem Veranstaltungsort zu entwickeln, sei »goldrichtig« gewesen. Inzwischen würden die Einnahmen aus Veranstaltungen und Langzeitvermietungen - im vergangenen Jahr lagen sie bei 13,2 Millionen Euro - sogar die laufenden Bewirtschaftungskosten für das gesamte Gebäude - 12,9 Millionen Euro - decken. »Es steht nicht leer und produziert kein Defizit«, so Thirion. Die Nachfrage für die Flächen sei weiter hoch, im November finde hier erstmals der Bundespresseball statt. Die Kosten für die Sanierung des Gebäudes, die auf etwa 140 Millionen Euro bis 2025 veranschlagt werden, lassen sich aus den Mieteinnahmen allerdings nicht decken.

Die Gefahr, dass durch die unterschiedliche Vermietung der Hangars und einzelner Gebäudeteile eine sinnvolle Gesamtnutzung des Flughafenensembles behindert wird, sieht der Senat nicht, wie aus der Antwort von Senatsbaudirektorin Regula Lüscher auf eine Anfrage der Grünen-Abgeordneten Nicole Ludwig hervorgeht. Von den Büroflächen sind derzeit erst 77 000 Quadratmeter vermietet, davon der größte Teil an die Polizei, 65 000 Quadratmeter stehen leer.

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