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Espírito Santo bringt Portugal zum Wanken

Konservative Regierung versucht weiter, die Verstaatlichung der Großbank zu verhindern

  • Von Ralf Streck, Madrid
  • Lesedauer: 3 Min.
Mit der Espírito Santo Financial Group (ESFG) hat die dritte Holding der Bankengruppe Gläubigerschutz beantragt. Zudem wurde der ehemalige Chef der portugiesischen Großbank festgenommen.

Die Lage um die portugiesische Großbank Banco Espírito Santo (BES) ist weiter verworren und hat sich wieder verschlechtert. Denn am Donnerstag beantragte die dritte Holding der Gründerfamilie Espírito Santo (Heiliger Geist) in Luxemburg Gläubigerschutz. Und es ist diese Espírito Santo Financial Group (ESFG), die mit gut 20 Prozent Hauptaktionär der BES ist. Auch die ESFG, die ihren Sitz in Luxemburg hat, könne ihren Verbindlichkeiten nicht mehr nachkommen, hieß es in einer Erklärung an die portugiesische Börsenaufsicht. Der Schritt war absehbar, nachdem die Holding Espírito Santo International (ESI) am vergangenen Wochenende in Luxemburg einen Insolvenzantrag stellte und am vergangenen Dienstag die Holding Rioforte nachzog, die ihren Sitz auch im Steuerparadies hat.

Mit der ESFG fiel nun der dritte Dominostein in einem Firmengeflecht, in dem die Holdings untereinander und mit Portugals größter Bank verstrickt sind. Schon bevor ihr Hauptaktionär nun Gläubigerschutz beantragte, hatte die Bank schon am Mittwoch eingeräumt, die Insolvenzanträge von ESI und Rioforte könnten einen negativen Einfluss haben. ESI kontrollierte Rioforte komplett und hielt fast die Hälfte der Anteile an der ESFG, die nun mit abgestürzt ist. Nun werden Fragen drängender, ob nach dem Hauptaktionär auch die Bank umfällt. Stärker davon betroffen sein könnte die französische Crédit Agricole, die 14,6 Prozent der BES-Anteile hält.

Klar ist, dass die steigende Unsicherheit die BES-Aktien gegen den Trend an der Lissabonner Börse am Freitag wieder um fast acht Prozent in den Keller gezogen hat. Betroffen waren auch andere Bankaktien, wie die der Banco Comercial Português (BCP). Denn wie die BCP sind diverse portugiesische Banken und börsennotierte Unternehmen mit insgesamt fünf Milliarden Euro ins Firmenuniversum der Gründerfamilie involviert.

Dass nun auch noch der ehemalige Chef der Bank am Donnerstag festgenommen wurde, spitzt die Lage weiter zu. Es sind nur zehn Tage vergangen, nachdem die portugiesische Zentralbank den Firmenpatriarchen Ricardo Salgado nach 22 Jahren an der BES-Spitze zum Rücktritt gedrängt hatte, weil er Verluste bei der BES in einer Höhe von 1,3 Milliarden Euro verschleiert haben soll. Erstmals in ihrer fast 150-jährigen Geschichte führt nun ein familienfremder Manager das Geldinstitut.

Gegen Salgado wird wegen des Verdachts auf Steuerbetrug, Fälschung und Geldwäsche ermittelt. Er kam erst nach einer siebenstündigen Vernehmung auf Kaution wieder frei. Drei Millionen Euro musste er dafür hinterlegen, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Ermittlungen laufen bereits seit drei Jahren. Im Dezember 2012 hatte Salgado freiwillig ausgesagt und wurde von der Staatsanwaltschaft noch nicht als Verdächtiger in der Operation »Monte Branco« (Mont Blanc) eingestuft. Doch die Verdachtsmomente haben sich nach Durchsuchungen in Miami und Lissabon verfestigt. Am größten Fall der Steuerhinterziehung und Geldwäsche Portugals soll eine Gesellschaft zur Vermögensverwaltung in der Schweiz beteiligt gewesen sein.

Die neue Insolvenz und die Festnahme fahren der konservativen Regierung in die Parade, die mit allen Mitteln versucht, die Verstaatlichung der letzten börsennotierten Bank des Landes mit Steuergeldern zu verhindern. In den letzten Tagen waren die Kurse der BES-Aktien zum Teil wieder stark gestiegen, nachdem bekannt wurde, dass die US-Investmentbank Goldman Sachs 2,27 Prozent der Aktien übernommen hatte. Allerdings war die US-Bank schon Mitte Juni eingestiegen. Das kann nicht als Zeichen gewertet werden, dass sich neue private Geldgeber für eine weitere Kapitalerhöhung finden, wie es der Chef der Zentralbank hofft. Muss der Staat einspringen, dürfte das gesamte Land neue Finanzhilfen benötigen. Portugal hatte erst im Mai den Schutz des Euro-Rettungsschirms verlassen.

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