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Einfallstor für andere Vorurteile

Jürgen Amendt über den Zusammenhang zwischen Antisemitismus und Bildung

Die Reaktionen auf die immer wiederkehrende Eskalation im Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern folgt hierzulande einer einstudiert erscheinenden Choreografie. Kaum fliegt Israel die ersten militärischen Angriffe gen Gaza, kommt es in Europa zu antisemitischen Angriffen verbaler und physischer Art.

Einstudiert muten auch die Reaktionen in der politischen Öffentlichkeit auf solche Vorfälle an. Dieser Tage war in einigen Medien davon die Rede, dass antisemitische Vorurteile vor allem bei Jugendlichen mit geringem Bildungsgrad verbreitet seien und dass entsprechende Bildungsprogramme an den Schulen gestartet werden müssten, um antisemitische Einstellungen zu bekämpfen.

Ganz so einfach ist es aber dann doch nicht. Bildung verhindert eben nur bedingt das Entstehen von Vorurteilen. Was mit Blick auf die Geschichte (die Organisatoren des Holocaust waren in der Regel gebildete, aus den höheren Schichten der Gesellschaft stammende Personen) eigentlich klar sein müsste, wurde Anfang des Jahres von einer deutsch-kanadischen Studie bestätigt. Studenten der Universität Osnabrück und der University of Victoria in British Columbia (Kanada) wurden über ihre Haltung zu Juden und Muslimen befragt. Ergebnis: Nur wenige der Befragten distanzierten sich eindeutig von antijüdischen und antimuslimischen Ressentiments.

Die Studie ist vor allem in einer Hinsicht interessant: Studenten mit antisemitischen Vorurteilen sind deutlich anfälliger für andere Stereotype; antimuslimischen Argumenten stimmten sie im Schnitt fünfmal häufiger zu als jene, die keine antisemitischen Einstellungen hegen. Der Antisemitismus ist also das Einfallstor für Vorurteile an sich.

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