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»Unsere Hauptstadt verschwindet«

Pa Ousman Jarju, Umweltminister Gambias, sieht sein Land durch den Klimawandel in der Existenz bedroht

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Afrika ist von der Erderwärmung besonders stark betroffen. Einige Folgen des Klimawandels sind bereits heute spürbar. Ein ambitioniertes weltweites Klimaschutzabkommen fordert Pa Ousman Jarju, Minister für Umwelt und Klimawandel im westafrikanischen Küstenstaat Gambia. Mit ihm sprachen Nick Reimer und Sandra Kirchner.

Der Weltklimarat schreibt in seinem neuen Sachstandsbericht, dass der Klimawandel Afrika besonders hart trifft. Ist das wirklich so?
Früher dauerte bei uns in Gambia die Regenzeit fünf bis sechs Monate. Heute gibt es allenfalls noch drei Monate lang Regenzeit. Und die ist zunehmend unpünktlich: Der Regenzeit-Beginn verschiebt sich immer mehr nach hinten. Das hat enorme Auswirkungen auf die Landwirtschaft. Einige Böden vertrocknen. Die Fischerei ist betroffen, die touristische Infrastruktur verschwindet. Dabei ist der Tourismus sehr wichtig für unser Land, auch viele Deutsche machen in Gambia Urlaub.

Wie ist der Tourismus betroffen?
Gambia hat zum Beispiel vor einigen Jahren 20 Millionen Dollar investiert, um die Strände zu befestigen. Dies ist für den Tourismus natürlich wichtig. Wir hatten den Sand so aufgeschüttet, dass der Strand wieder traumhafte 100 Meter breit war. Und wir hatten Küstenschutzanlagen gebaut, um das Ergebnis zu schützen. Von den 100 Metern Strand sind nach nur wenigen Jahren Erosion teilweise nur noch drei Meter übrig geblieben. Durch den Anstieg des Pegels hat sich das Meer Gambias Land zurückgeholt. Wenn der Meeresspiegel nur um einen Meter steigt - was vom Weltklimarat nicht mehr ausgeschlossen wird -, verschwindet unsere Hauptstadt Banjul in den Fluten. Was für morgen existenziell bedrohlich ist, schadet uns heute aber schon real: Die touristische Infrastruktur verschwindet, und damit eine wichtige Einahmequelle für uns.

Sie waren 2011 und 2012 auf den UN-Klimagipfeln Verhandlungsführer der LDC-Ländergruppe, also der am wenigsten entwickelten Staaten, und haben den internationalen Prozess mitgestaltet. 2015 soll in Paris ein neues Klimaabkommen ausgehandelt werden, im Dezember treffen sich die Staaten der Welt in Lima. Wo stehen wir heute?
Wir sind gerade dabei, den Grundstein für das Abkommen von Paris zu legen. Dieses Abkommen muss die vier Elemente enthalten, die sich vor drei Jahren beim Gipfel in Durban herauskristallisiert haben: Klimaschutz, Anpassung, Finanzen, Technologietransfer.

Wir dachten, beim Klimaschutz geht es um die Reduktion von Treibhausgasen?
Natürlich! Und deshalb sind die Diskussionen um die nationalen Selbstverpflichtungen nicht hilfreich. Wir brauchen einen Vertrag, der diese Selbstverpflichtungen in ein rechtsverbindliches Dokument überführt. Zwischen Lima und Paris haben wir nur sehr wenig Verhandlungsspielraum, um alles für das neue Abkommen vorzubereiten. Deshalb schafft der Klimagipfel 2014 in Lima die Grundlage für Paris.

Was sind die Knackpunkte?
Ich sehe drei Schwierigkeiten: Erstens wollen einige Länder die Verpflichtungen nur auf den Klimaschutz begrenzen, während andere auch die Anpassung an den Klimawandel und die Entwicklung von Technologien vorantreiben wollen. Zweitens brauchen wir ein universelles, aber nicht uniformes Abkommen, denn die Länder haben unterschiedliche Voraussetzungen. Gambia hat zum Beispiel geringere Möglichkeiten, Klimaschutz zu betreiben, als Deutschland. Wir wissen, dass einige Entwicklungsländer mehr tun können als derzeit, aber darüber müssen wir diskutieren. Drittens unterscheidet sich das Gesamtziel. Einige Länder wollen das Zwei-Grad-Ziel, wir fordern eine Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad. Denn das globale 2-Grad-Ziel bedeutet für Afrika (einen Temperaturanstieg um, d.Red.) 3,5 bis 4 Grad Celsius - mit gravierenden Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft.

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